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2014: Auf meiner anderen Website schreibe ich zu Cloud-Dienste als mittelalterliches Feudalsystem.

Und auf dieser Website gibt es eine Sammlung von technischen Zeichnungen zum Thema Star Wars.

 

Feudalismus im Science Fiction Film

Diese Thesen beruhen hauptsächlich auf Veröffentlichungen des Science Fiction Authors David Brin. Er veröffentlicht viele seiner Thesen in Salon.com, z.B. “Star Wars” despots vs. “Star Trek” populists und What's wrong (and right) with “The Phantom Menace”. David Brin hat auch ein ganzes Buch zu diesem Themenkomplex geschrieben: Star Wars on Trial. Ebenso A note on the Enlightenment, Romanticism and science fiction.

George Lukas - Star Wars

David Brin wirft George Lukas vor, dass er in Star Wars nicht einfach nur ein Märchen erzählt, sondern eine Ideologie des Feudalismus vertritt und propandiert, die sehr weit von unseren heutigen Demokratievorstellungen entfernt ist. Lucas bestreitet auch gar nicht, dass ihm die heutige Zeit und die Demokratie ziemlich suspekt sind. In der New York Times hat er erklärt, dass seine ideele Herrschaftsform der "gutmeinende Diktator" ist (benevolent despot). Der kann nämlich Dinge zu Ende bringen. Und wenn er "groß" genug ist, wird er auch nicht von seiner Macht korrumpiert.

Konkrete Vorwürfe sind z.B., dass "the force" ("may the force be with you") in den ersten Star Wars Filmen eine Art asiatische Kampfkunst war, die im Prinzip jeder erlernen konnte. Obi-Wan beginnt, den jungen Piloten Han Solo in diese Kunst einzuführen. Dann, in Phantom Menace, muss man dazu geboren sein, ein Jedi-Ritter werden zu dürfen.

Lucas führt die Mitochondrien ein (versteckt als midiclorians), die symbiotisch in den Menschen leben, aber nur wer sehr viele davon hat, kein ein Jedi-Ritter werden. D.h. jetzt ist das Jedi-Rittertum etwas genetisches, das hat was mit Herrenrasse und Übermensch im Sinne von Nietsche zu tun. Es ist nicht mehr möglich, auf den befreiten Planeten überall Jedi-Schulen einzurichten, die möglichst vielen diese Kunst beibringen, wie das im Sinne der ersten Star Wars Filme ja durchaus noch möglich gewesen wäre (aber George Lucas auch damals nicht in den Sinn kam, das wäre ja etwas sehr demokratisches gewesen, wenn jeder versuchen könnte, Jedi-Ritter zu werden). Und nicht nur, dass man genetisch als Jedi-Ritter geboren sein muss, mit 6 Jahren ist 'Anakin Skywalker, der spätere Darth Vader, für die Ausbildung auch schon zu alt.

    Einschub zu Mitochondrien:
    Die gibt es wirklich und die "leben" wirklich in unseren Zellen. Es sind die Zellbestandteile, die für die Verarbeitung der Nahrung und die Umsetzung in Energie zum Leben zuständig sind. Viele Biologen gehen davon aus, dass diese Mitochondrien einmal selbstständige Lebewesen waren, die sich sehr früh nach der Entstehung der ersten Zellen in eine symbiotische Gemeinschaft mit den Zellen der Tiere und Pflanzen begeben haben. Mitochondrien haben heute noch ihre eigene DNA, d.h. eigene Erbanlagen, die bei der Entstehung neuen Lebens direkt von der Mutter an die Kinder weitergegeben werden. Mehr zu Mitochondrien in der Wikipedia und auf meiner anderen Seite beim Thema Leben im Kosmos.

    Einschub zu Heldengeschichten:
    Joseph Campbell hat in einem Buch "The Hero with a Thousand Faces" die Strukturen der Heldengeschichten sehr vieler Kulturen miteinander verglichen. Es ist immer sehr ähnlich: Der Held ist zuerst unlustig, aber es gibt irgendwelche geheimnisvollen Hinweise, die ihn zu seinen Aktivitäten überreden. Diese Hinweise sind ambivalent, sie deuten auf zukünftige Heldentaten hin, aber auch auf große Gefahren, die ihn erwarten. Er bekommt einen Mentor, einen weisen Lehrer und (oft eigenartige oder ungewöhnliche) Helfer, die aber treu zu ihm stehen. Die Lage spitzt sich für ihn dann extrem zu, er wird an seine Grenzen geführt, lernt, was Angst bedeutet. Zu aller letzt dann bringt er eine Trophäe und den Sieg zurück zu seinem Stamm, seiner Nation, seiner Gruppe. Homer kennte diese Regeln intuitiv und viele andere Geschichtenerzähler auch. In diesen Geschichten zählt nur der Held, Tausende kommen in den Schlachten um, aber geweint wird nur über den Helden.

    Eine solche Geschichte spricht uns alle an, sie erzeugt in jedem von uns Resonanzen, die die Geschichte für uns aufregend und interessant machen. Und solche Geschichten lassen sich von Herrschenden, Königen, Priestern, Diktatoren leicht für ihre Zwecke missbrauchen. Sie begründen eine Elite, für die andere Regeln gelten, sie handeln nicht davon, wie die normalen Menschen sich verwirklichen können und ein erfülltes Leben leben, ihre Ängste überwinden, erfolgreich sein. So könnte Superman sich der Forschung zur Verfügung stellen, damit sein Blut untersucht werden könnte und auf der Basis der daraus gewonnen Erkenntnisse Verbesserung für alle Menschen gewonnen werden könnten. Solche mehr emanzipatorischen Geschichten sind aber eine sehr neue Tradition, erst wenige Generationen alt.

Star Trek, d.h. Raumschiff Enterprise lebt in dieser neuen, demokratischen, egalitäreren Welt. George Lucas aber träumt laut und öffentlich von einer Welt mit Königen und Untertanen und mächtigen Führern, die niemand Rechenschaft schuldig sind, und die so spontan und emotional handeln, wie die Helden aus Star Wars. Nirgendwo in den Star Wars Filmen spielen normale Menschen eine tragende Rolle.

 

Gene Roddenberry - Star Trek

In Star Trek spielt Technologie eine positive Rolle, sie ist hilfreich. Die Ausbildung der Menschen (in der Starfleet Academie) ist wichtig und ist die Grundlage für die späteren Leistungen, jeder hat Zugang zur Ausbildung. Die Institutionen (die Föderation) ist mehr oder weniger OK und kann verbessert werden, wo Schwächen und Fehler aufgezeigt werden. Es gibt Respekt für diejenigen, die ihren Job gut erledigen. Das System kann von innen heraus verbessert werden.

Bei Star Wars ist das nicht so. Die Bevölkerung hat nur die Wahl zwischen 2 Seiten der genetisch bevorzugten Elite (Königshaus). Die Bevölkerung muss dienen, sich den Befehlen der Elite unterordnen. Die Bösen in Star Wars sind leicht zu erkennen, sie sind dunkel, tragen Uniformen, sprechen eigenartig, haben z.Teil rot leuchtende Augen. In Star Trek können die gut aussehenden durchaus auch mal die Bösen sein.

Die Helden in Star Wars sind höchstens 10 mal so gut, klug, heldenhaft, wie der Durchschnitt, sie gewinnen durch Teamwork und gute Zusammenarbeit mit den anderen. Sie sind nicht so sehr stark, sondern schlau und clever.

 

J.R.R. Tolkien - Lord of the Rings

(basierend auf David Brin: J.R.R. Tolkien and the Modern Age und J.R.R. Tolkien — enemy of progress)

Der große Erfolg des Films hat den "Herrn der Ringe" in das Bewusstsein der Allgemeinheit gerückt. Dies ist wiederum eine Heldengeschichte aus den Zeiten des Feudalismus und wird getragen von der gleichen Ideologie, wie Star Wars. Tolkien hat seine Saga geschrieben als ein Ergebnis der Erfahrung des ersten und später des zweiten Weltkriegs und des für ihn sich daraus ergebenden Skeptizismus der Technik und des Fortschritts gegenüber.

Im Herr der Ringe geht es um die Bewahrung oder Wiederherstellung einer älteren, angeblich natürlicheren Gesellschaft. Der Gegner ist Mordor, der Böse, dargestellt mit industriellen Umgebungen, Schornsteinen, fabrikähnlichen Anlagen. Die Ringe sind verwunschen und verdammen die 9 normalen Menschen, die sie benutzen wollen, um mehr Macht zu gewinnen. Sie stehen für die Idee, dass die Macht korumpiert, was eine gute Lehre ist. Aber sie können auch gesehen werden als Warnung an alle, die zu viel Ehrgeiz haben (Tolkien selbst hat sie als tragische Figuren bezeichnet). Im klassischen Griechenland wurde das als Hybris bezeichnet, als zu viel Ehrgeiz, jemand der Geheimnisse erkunden will, die ihn nichts angehen.

So gesehen stehen sie als Warnung, dass jeder den ihm zugewiesenen Platz in der Gesellschaft und der Hierarchie akzeptieren sollte, eine Lehre wie in Star Wars.

Und ein schreckliches Schicksal erwartet alle, die im Herrn der Ringe auf der falschen Seite stehen. Es werden keine Gefangenen gemacht, denn es geht ja gegen das Böse an sich und da ist ein Blutbad immer gerechtfertigt.

 

Feudalismus, Demokratie, Romantik und Aufklärung

Wenn wir uns die Menschheitsgeschichte anschauen, so haben die Menschen Demokratie, der Mitbestimmung der Bürger) nur in vergleichsweise sehr kurzen Zeiträumen und in eng umgrenzten Gebieten genießen können. Die erste dokumentierte Demokratie war in Griechenland, aber auch nur in einer kurzen Periode. Selbst in Griechenland war es räumlich sehr beschränkt und hatte viele Gegner. Nach dem Ende der Demokratie dort bieb die Demokratie für 2000 Jahre auf kleine, mehr oder weniger lokale Experimente beschränkt.

Die Athener Demokratie war zwar auch nicht das, was wir heute unter einer Demokratie verstehen (Frauen, Sklaven und alle die nicht in Athen geboren waren hatten nichts zu sagen), aber trotzdem war es ein riesiger Schritt gegenüber allem vorhergegangenen. Und nach dem peleponesischem Krieg war es damit auch wieder zu Ende und kein geringerer als Plato zeigte sich sehr erfreut darüber: "Niemand sollte ohne einen Anführer sein, niemand sollte aus eigener Initiative heraus agieren und davon träumen, unabhängig zu agieren."

Danach gab es ein paar kurze Momente in der römischen Republik, die Thing in Island, Zeiten während des Caliphats in Bagdad, einige italienische Stadtstaaten und einige Irokesen-Stämme, ansonsten gab es keine Demokratie in dieser Zeit. Geherrscht haben Könige, Kaiser, Fürsten, Priester, Päpste, Oligarchen.

Erst mit der Aufklärung wurde das anders.

Auf meiner anderen Website zum Thema Informationssicherheit schreibe ich auch über Feudalismus, aber dort über die neuen Feudalherren in Silicon Valley, denen wir unsere Daten anvertrauen und die uns dafür tolle kostenlose Dienste anbieten. Die Abhängigkeit ist aber eine sehr ähnliche, dies ist kein Verhältnis auf Augenhöhe. Wir räumen den neuen Feudalherren damit eine große Macht ein, auch die Macht, unsere lokalen Händler und Zeitungen kaputt zu machen. Mehr dazu unter Cloud-Dienste als mittelalterliches Feudalsystem.

 

Philipp Schaumann, http://philipps-welt.info/, Stand: Okt.2015


 

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