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Dominanz der Kulturen - das letzte Millenium

Ein sehr interessantes Buch ist "Millenium" von Felipe Fernández-Armesto. Er stellt sich auf den Standpunkt eines galaktischen Museumkurators, der für den Saal "Planet Erde, 1000-2000 christlicher Zeitrechnung" zuständig ist. Er muss entscheiden, welche Exponate er ausstellen will, auswählen zwischen Dosen mit Diet Coke, Ritterrüstungen, chinesischem Porzelan und amerikanischen Quipu-Schnüren. D.h. der Kurator hat den Vorteil eines großen Abstandes, zeitlich und räumlich. Wieviel Platz muss z.B. der Kolonialismus in diesem Raum einnehmen? Er zeigt, dass in der ersten Hälfte des letzten Jahrtausend die arabische Kultur und die chinesische absolut dominierend waren. Erst im Laufe der letzten paar hundert Jahre, so Fernandez-Amesto, hat sich die Vorherrschaft des Westens, der atlantischen Zivilisationen, herausgebildet, (die sich aber bereits dem Ende nähern könnte). Siehe dazu auch das Debakel der USA im Irak ......., speziell die Auswirkungen auf das Ansehen der westlichen Kultur durch die Folterfotos aus dem Irak .......

 

 

 

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Jared Diamond - der biologische Ansatz

Jared Diamond erklärt, recht überzeugend, dass die Antwort auf die Frage, warum Afrika arm und Europa reich ist, mit Kulturen überhaupt nichts zu tun hat. Es ist für ihn eine Frage der natürlichen Voraussetzungen. Das fängt z.B. damit an, dass es in Afrika, Amerika und Australien so gut wie keine Tiere gibt, die sich domestizieren lassen. Das steht im Gegensatz zu Europa/Asien, da gibt es reichlich, z.B. Huhn, Schwein, Rind, Pferd, Ziege, Schaf, Esel, Wasserbüffel, Hund, Zweihöckeriges Kamel, Dromedar. In Afrika fanden sich Null Tierarten, die dafür geeignet sind, in Amerika nur das Lama. Und das liegt nicht an den mangelnden Fähigkeiten der Bewohner. Im 19. und 20. Jhdt. wurden zahlreiche Versuche unternommen, andere Tierarten zu domestizieren, ohne jeden Erfolg. (nicht alle Tiere, die wir "benutzen" sind domestiziert. Elephanten sind gezähmt, d.h. sie werden eingefangen und nicht gezüchtet)

Welche Voraussetzungen muss eine Tierart für die Domestizierung erfüllen?

  • Ernährung. Pflanzenfresser sind viel viel ökonomischer als Fleisch- und Energielieferant als Fleischfresser. Für eine 500 Kilo schwere Kuh brauche ich 5000 Kilo Mais. Für einen Fleischfresser gleicher Größe brauche ich 5000 Kilo Fleisch, d.h. das 10fache an Grundnahrung. Daher ist der Hund der einzige Fleischfresser, der domestiziert ist
  • Wachstumstempo. Gorillas und Elephanten sind zwar Pflanzenfresser, wachsen aber sehr langsam. Dies ist für die Züchtung ein großer Nachteil. Daher werden sie nur gejagt, bzw. eingefangen
  • Forpflanzung in der Gefangenschaft. Daran ist z.b. die Züchtung von Geparden seit tausenden von Jahren gescheitert.
  • Unberechenbares Naturell. Große Säugetiere können leicht Menschen töten, sie müssen daher extrem gutmütig sein, um sich als Haustier zu eignen. Grizzlys ernähren sich hauptsächlich von Pflanzen, das Fleisch ist sehr begehrt, aber selbst eine Zähmung ist immer gescheitert. Kaffernbüffel und Zebra scheiden aus dem gleichen Grund aus, obwohl sie beide als Pferd-Ersatz gut geeignet wären. Sie sind aber absolut unberechenbar. Auch Nilpferde wären gut Fleischlieferanten. Sie töten jedoch pro Jahr mehr Menschen als z.B. die Löwen. Auch Elephanten sind aus diesem Grund problematisch, sie sind für die Wärter im Zoo statistisch die tödlichsten Tiere.
  • Neigung zu panikartiger Flucht. Hirsche, Gazellen und Antilopen neigen bei Annährung von Menschen oder Raubtieren zu panikartiger Flucht, Schafe und Ziegen suchen Schutz in der Herde.
  • Soziale Rangordnung. Die Vorfahren fast aller unserer Haustiere
    • leben in Herden
    • haben eine starke Dominanzordnung (und akzeptieren als Haustier den Menschen als Leittier)
    • beanspruchen kein Revier allein, d.h. erlauben überlappende Weidegebiete

Dabei haben die domestizierten Tiere eine große Bedeutung für den Wohlstand. Nicht nur dienen sie als leicht erreichbare Eiweiß- und Kalorienquelle, das Pferd ermöglichte den Handel und den Transport über weite Entfernungen und zusammen mit dem Rind dienen sie als Antriebskraft, die z.B. neue Arten der Landwirtschaft ermöglichte. Das Pferd war die erste Superwaffe in der Kriegsführung, Völker mit Pferden waren militärisch stark im Vorteil.

Der nächste, ganz wichtige Punkt ist für Jared Diamond die Ausrichtung der Hauptachsen der Kontinente. Eurasien ist eher horizontal ausgerichtet, Amerika und Afrika vertikal. Das hat die Konsequenz, dass ein Gemüse, ein Getreide, Obst oder auch eine Haustierart, die auf ein bestimmtes Klima angewiesen ist, in Eurasien über weite Strecken in Ost-West Richtung "exportiert" werden kann und dabei immer wieder ein ähnliches Klima antrifft, in den Kontinenten mit Nord-Süd Ausrichtung wechselt das Klima nach einigen Hundert Kilometern bereits. Das im Zweistromland kultivierte Getreide konnte sich über ganz Asien verteilen, aber nicht in Richtung Afrika.

Aus der großen Zahl der Haustiere in Eurasien ergab sich aber noch ein anderer Effekt. Das enge Zusammenleben mit Haustieren überträgt viele Krankheiten auf die Menschen, was wir jetzt wieder bei der Diskussion der Grippe von den Hühnern sehen. Die Menschen in Eurasien haben gelernt, mit vielen dieser Krankheitserreger zu leben, und immun gegen sie zu werden. Die Kulturen ohne Haustiere, z.B. die Indianer waren jedoch den von den Europäern eingeschleppten Krankheitskeimen hilflos ausgeliefert. Bei der Eroberung des Westens gibt es Beispiele, dass die Indianerdörfer zum Teil schon stark dezimiert waren, bevor die Eroberer überhaupt eintrafen, weil die Krankheitserreger sich schneller ausgebreitet hatten als die Krieger.

Neu 2016:

2016 kommen neuere Studien zu dem Ergebnis, dass die Entstehung von komplexen sozialen Gesellschaftsssystemen und damit auch Ungleichheit andere Ursachen haben können. Hier der Link zu dem sehr ausführlichen Artikel The sinister, secret history of a food that everybody loves. Der Artikel beginnt mit der Erklärung einer neuen Studie die Gesellschaften daraufhin untersucht, ob der Hauptkalorienlieferent Getreide oder Wurzeln (Kartoffeln, Yam, Tapioca, etc.) ist. Die Theorie besagt, dass Getreide komplexere Gesellschaftsstrukturen braucht weil Getreide typischerweise gelagert und transportiert wird, beides ist bei den Wurzeln sehr schwer (sie sind voller Wasser und damit schwer und halten sich schlecht). Wurzeln müssen mehr oder weniger sofort nach der Ernte gegessen werden, es gibt keine großen Lager bei bei Getreide, die ein Ziel für Diebe sind und bewacht werden müssen. Dafür braucht es Spezialisten, etc. Der Diebstahl von Wurzeln ist nicht ertragreich, der Dieb müsste sie selbst ernten und dann wegschleppen. Der Artikel zeigt Karten bei denen die komplexeren Gesellschaften dort sind, wo Getreide angebaut wird, im Gegensatz zu denen bei denen hauptsächlich Wurzeln gegessen werden. Getreide in Lagern, während die nächste Erntezeit abgewartet wird, ist auch einfacher zu besteuern, eine Möglichkeit für komplexe Gesellschaften, sich zu finanzieren.

Als Gegenargument wird angeführt, dass die Getreide-Gesellschaften hauptsächlich in den gemäßigten Regionen zu finden sind, und dass die Wurzeln in den Tropen das Hauptnahrungsmittel sind, wo es klimatisch bedingt andere Gründe gibt, die Gesellschaften an der Entwicklung von Komplexität hindern würden. Andere Skeptiker führen an, dass einiges dafür spricht, dass zumindest in einigen Fällen zuerst die komplexeren Gesellschaften entstanden und dass erst dann der Getreideackerbau eingeführt wurde - das Henne und Ei-Problem.

Dann wird aber noch ein weiteres Beispiel beschrieben: die ursprünglichen Bewohner des heutigen Kaliforniens hatten für die Ernährung 2 Optionen: Lachs, der reichlich vorhanden war und Eicheln. Lachs hat viele Vorteile: er war dort reichlich vorhanden, leicht zu fangen und durch Trocknung lange haltbar. Die Vearbeitung von Eicheln findet aber erst kurz vor der Mahlzeit statt und ist dann recht aufwändig. Die Wissenschaftler sagen, Lachs ist "front-loaded", d.h. es muss zuerst viel Arbeit investiert werden und danach besteht die Gefahr, dass ein Dieb das Endprodukt stielt. Eicheln sind "back-loaded", d.h. die Arbeit entsteht direkt vor der Mahlzeit, das Stehlen von Eicheln (und genauso von Kartoffeln) bringt nicht viel. Die Bewohner von Kalifornien sind zu dem Zeitpunkt von Eicheln auf Lachs umgestiegen, als sie sesshaft wurden und den getrockneten Lachs besser bewachen konnten als zu ihrer Nomadenzeit.

 

 
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Kulturelle Dominanz

Ich denke, dass die Dominanz einer Kultur 3 Aspekte hat. Militärische Macht, wirtschaftliche Macht und kulturellen Einfluss. Diese 3 Aspekte müssen nicht immer parallel gehen. Derzeit dominiert die USA (noch) auf allen 3 Gebieten. In der chinesischen Geschichte hat sich jedoch gezeigt, dass China immer dann offen war für kulturelle Einflüsse von außen, wenn China militärisch dominant war und die anderen Völker besiegt hatte. In solchen Epochen der Stärke war China bereit, andere Religionen, Kunstrichtungen, Kochrezepte, usw. zu übernehmen. Wenn China jedoch besetzt war, z.B. durch die Mongolen, so zog man sich auf die engste Definition der chinesischen Kultur zurück. (siehe Jacques Gernet, A History of Chinese Civilization, sehr zu empfehlen, Inhaltsverzeichnis verfügbar auf amazon.com).

 

 
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Asiatische Einflüsse

Ich beobachte derzeit eine Verschiebung der kulturellen Einflüsse in Richtung Asien. Es sind mehr und mehr asiatische Bilder in denen gedacht wird und asiatisch geprägte Ausdrucksformen in denen dargestellt wird. Ich sehe das für mich ganz stark im Kino.

Das sind nicht nur asiatische Filme wie "Tiger and Dragon", die hier im Kino Erfolge feiern, das sind mehr die anderen Einflüsse. So ist die Bildersprache von "Matrix" oder "Kill Bill" für mich sehr stark asiatisch geprägt. Zitat zu "Kill Bill": "But enthusiastic as Tarantino is about samurai sword-fights and Chinese stage acrobatics .....".

Zur asiatischen Bildersprache in Matrix hier mehr aus CHUD.com:

    "But just before Ang Lee’s tragic rooftop-hopping love story "Crouching Tigers, Hidden Dragon" captured audiences, Hollywood filmmakers’ infatuation with the fighting and sacrifice aspects of kung fu and wuxia would inexorably lead to the movie that would forever alter action films: The Matrix.

    Taking atmosphere and apparel from The Crow, combat cues from dozens of Hong Kong’s kung fu and “heroic bloodshed” movies, and visuals and concepts from Japanese anime and manga (which would need its own article to properly encompass), the Wachowski brothers stirred in philosophy, theology and a pinch of Lewis Carroll, and presented it with revolutionary special effects to create a sci-fi mindjob that, for better or worse, instantly erased all other martial arts action movies from the tongues of development executives.

    It was the wire-assisted battles in director Gordon Chan’s Fist of Legend (arguably Jet Li's best film) that made writer/directors Andy and Larry Wachowski seek out Hong Kong fight choreographer Yuen Woo Ping. A former Peking Opera student and noted filmmaker in China (see the fantastic Iron Monkey or Wing Chun for the man’s true capabilities), Woo Ping was hesitant to work on an American production. But he found himself intrigued by the brothers’ vision, and agreed to arrange the fight scenes (a full year before his work on Crouching Tiger). Though customary for Asian performers, the Wachowskis insisted their own American actors endure the grueling kung fu and wire training, setting a new standard for Hollywood actors performing their own stunts (before the filmmakers all but invalidated this by filling the screen with unnatural-looking CGI stuntmen for the sequels). The film’s trademark whirling “bullet time” camera technique, combined with the gravity-defiant martial arts, injected a previously unseen energy into on-screen combat that would, unfortunately, be often imitated and constantly referenced."

Der asiatische Einfluss, das sind aber auch die vielen chinesischen Regiseure, die jetzt in Hollywood drehen, z.B. Ang Lee, John Woo, Jackie Chan, Wong Kar Wei.

Noch ein Zitat aus dem Standard, Wien:

    Hayao Miyazaki zum Beispiel sollte man kennen: Der japanische Veteran in Sachen Anime wird nicht nur vom kreativen Pixar-Kopf John Lasseter (Toy Story, Finding Nemo) gerne als Vorbild genannt.

    Mindestens seit Miyazakis eigenwilliges Zivilisationskritikmärchen Chihiros Reise ins Zauberland, in Japan einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, einen Goldenen Bären und 2003 einen Oscar erhielt, hat er sich auch im Westen etabliert.

    Die Auszeichnungen sind nur ein Indiz dafür, dass das Interesse an japanischen Filmen in den letzten Jahren weltweit beträchtlich gestiegen ist. Jüngster Effekt: Nach dem erfolgreichen Remake des japanischen Mystery-Horrorthrillers Ringu von Hideo Nakata - als The Ring von Gore Verbinski 2002 neu verfilmt - stehen in Hollywood derzeit gleich mehrere entsprechende Adaptionen an.

 



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