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Die Entwicklung des Internets

Letzte Aktualisierung: Feb. 2019 - Autor: Philipp Schaumann

Das Internet begann als libertäre Technikerspielerei

Das Internet so wie wir es kennen wurde erfunden von eher libertären "Techies" mit Forschungsgeldern des US-Militärs in den 60igern. Dazu gibt es ausführliche Literatur, z.B. Where Wizards Stay Up Late: The Origins of the Internet. Genutzt wurde die Daten-Kommunikation zum Austausch zwischen Militärfoschunsstätten und Unis. Die Telecoms waren an einem Betrieb und Übernahme der Message Switching technologie nicht interessiert. Sie sahen weiterhin die Zukunft in Circuit-Switching. Sie waren damit zufrieden, den Unis und Militär traditionelle Telefonleitungen zu verkaufen (standleitungen). Bzw. für das Einwählen der Enduser per Modem die traditionellen Wählverbindungen.

Der nächste Schritt war dann 1989 mit der Entwicklung von HTML und damit des "Web Browsers" durch Tim Berners-Lee bei der CERN. Der Kern der Idee von HTML war die bequeme Möglichkeit, Daten die auf verschiedenen Rechnern miteinder zu verknüpfen, den sog. Hyperlink und die URL.

Link-Konventionen:
Fette Links öffnen ein fremde Seite in einem neuen Fenster
Blau hinterlegte Links bleiben auf meinen beiden Websites

Die Techies blieben bis ca. 1995 unter sich. Ihre Hauptsorge war, dass die Regierungen zu viel Einfluss und Kontrolle über ihr tolles Spielzeug bekommen könnten (Angst vor Zensur). Daher wurden alle Regulierungsgremien des Internets bewusst frei von Regierungseinfluss gehalten. Der Widerstand der Politik dagegen hielt sich in Grenzen, bis in die späten 90iger hatte niemand eine wirkliche Idee, was aus diesem "Spielzeug" eigentlich mal werden könnte. Ca. 1995 sahen viele Firmen das Internet als eine Erweiterung des Fernsehens, aber mit unendlich vielen Kanälen. "Wer wird diese Inhalte alle erzeugen?" war eine große Frage. Es wurde eine große Zukunft für die US-Filmstudios erwartet. Niemand konnte ahnen, dass im nächsten Jahrtausend die Nutzer des Internets einen großen Teil der Inhalte produzieren würden.

Hier jetzt 2 m.E. wichtige Beiträge aus den frühen 90iger Jahren: The Rise of the Stupid Network und World of Ends. Die Texte versuchen zu erklären, was die Hauptqualität des Internets gegenüber den bis dahin üblichen Kommunikationstechnologien (vor allem dem Telefon) ausmacht. Im Telefonnetz waren die Endgeräte sehr einfach, die ganze komplexe Technik liegt in den zentralen Funktionen und bei den Telefongesellschaften. Diese hatten die Kontrolle darüber, welche Endgeräte angeschlossen werden durften (zumeist mussten sie vom Netzbetreiber gemietet werden). Neue Funktionen, wie Fax, oder Modems erforderten neue Geräte. Das fanden die Telefongeselllschaften toll und deshalb waren sie nicht an der neue Packet-Switching Technologie interessiert. Dabei hätten die Techniker den Betrieb der Netze gern abgegeben.

Die große Neuerung des Internets lag darin, dass alle Intelligenz und Komplexität in den Endpunkten liegt und nicht, wie im Telefonnetz, im Netz selbst und bei den Netzbetreibern. Die Autoren der beiden obigen Texte erkären, dass das Internet dadurch seine wichtigste Funktion, nämlich Menschen miteinander kommunizieren zu lassen, ab besten und flexibelsten erfüllt. Das Internet wurde dann aber nicht zu der großen Emanzipationsmaschine der menschlichen Kommunikation und die Gründe dafür sollen hier erläutert werden.

Die Intelligenz und Komplexität in den Endpunkten wurde durch die Personal Computer (PC) implementiert. Wie jeder Computer kann auch bei ihnen durch geeignete Software eine beliebige Komplexität implementiert werden. Und die Idee der Techniker war, dass weil jeder Mensch ja das Programmieren erlernen kann, auf diese Weise jeder Mensch beliebige Dienste erfinden und implementieren kann. Wie so viele Ideen rund um das Internet hat auch das nicht geklappt. Die Mehrheit der Menschen ist nicht zum Programmierer geworden, die zu Beginn sehr einfache Entwicklung von web-fähiger Software wurde immer komplexer und dann kamen Endgeräte wie Smartphones, die zwar einfach zu nutzen sind, aber kaum noch eigene Programmierung erlauben. Das hat natürlich gute Gründe: z.B. der Versuch, die Sicherheit der Geräte gegen Infektionen durch eine geschlossene Umgebung zu erhöhen.

Anfang der 1990er Jahre wurde mit Netscape Navigator der erste offene Web-Browser entwickelt, ein riesiger Durchbruch für eine offene Kommunikation. Jetzt konnte jeder Computer-Betreiber mit Internetanschluss einen Webserver installieren und jeder Nutzer konnte mit Hilfe seines Einwahlmodems über einen beliebigen Telefonanschluss sich mit jedem dieser Webserver verbinden. Das World-Wide-Web (und das Kürzel WWW) war erstanden. Technische Grundlagen sind die Trennung zwischen der Datentransport-Technologien TCP/IP und UPD/IP von dem Format der Inhalte, jetzt verpackt in dem einheitlichen HTML-Format. D.h. jedes Endgerät mit einem Netscape Webbrowser konnte mit jedem Server kommunizieren, wenn diese TCP/IP und HTML unterstützte.

Ab ca. 1995 schossen die Nutzerzahlen deutlich in die Höhe. Da wurde z.B. am US-amerikanischen Unabhängigkeitstag der kostenlose Mailservice Hotmail gegründet und ich selbst legte meine erste Email-Adresse an (1997 kaufte Microsoft diesen Dienst auf und baute ihn dann später -recht mühsam- zu Windows-Technologien um).

Ideologisch erwarteten die meisten libertären Technikfans dass nun die große Demokratisierung und die große Meinungsfreiheit ausbrechen würde. Das Monopol der großen Firmen für die Verbreitung von Nachrichten war gebrochen, jeder konnte nun eine Website erzeugen (einige Provider für den Internetzugang boten eine kleine "Web-Präsenz" gleich mit an) und jeder könnte über eine solche Web-Präsenz seine Meinung verbreiten. Daraus hatten sich dann etwas später Blogging-Websites entwickelt (die heute durch die Social Networks weitgehend in den Hintergrund gerutscht sind).

Einer der wenigen über die Zeiten erhaltenen Träume einer Demokratisierung von Informationen und Wissen ist Wikipedia, gegründet 2001. Wikipedia wurde so erfolgreich, dass die bisherigen Anbieter von Enzyklopädien und Lexikas mehr oder weniger alle aus dem Markt verschwunden sind. Ansonsten hat sich herausgestellt, dass es eine kleine Website (wie diese hier) nicht ausreicht um wirklich meinungsbildend zu wirken. Dies, obwohl immer mal wieder einzelne Ereignisse wie der arabische Frühling durch die Kommunikationsmöglichkeiten offenbar verstärkt wurden.

Firmen begannen in der 2. Hälfte der 90iger Jahre ebenfalls, eine sog. "Web-Präsenz" zu installieren. Das waren zu Beginn rein informative Websites ohne Benutzer-Interaktion. In den späten 90igern wurde dann aber versucht, mit Websites auch Geld zu verdienen. Z.B. indem dort waren gekauft werden konnten, aber auch indem Websites sich bemühten möglichst viele Benutzer anzuziehen. Damals wurden die Besucher "Eyeballs" genannt, und das möglichst lange Verbleiben auf der Website war "Stickyness". Eine möglichst große Zahl von Eyeballs war eine gute Grundlage für eine gute Positionierung der Website beim Börsengang.

Einer der weniger Experten die bereits damals 1996 verhergesehen hatten, was mal aus dem Internet werden würde, war Nicholas Negroponte. In seinem damaligen Buch "being digital" sieht er ziemlich klar die Möglichkeiten, dass alle Nachrichten und Werbebotschaften gezielt jeweils auf 1 Person zugeschnitten werden könnten, unserer heutiger Zustand. Basis wäre eine intime Kentnis der täglichen Aktivitäten. Und damit sind wir beim modernen Internet.

 

 

 

Nostalgie im Internet: Google 1999

"Google ist eine reine Suchmaschine - kein Wetter, keine News Feeds, keine Links zu Sponsoren, keine Werbung, keine Ablenkung, . . . nichts als schnelle Suchergebnisse."

 

Das neue Geschäftsmodell "Dienste gegen Daten"

Ca. 2000 gab es dann viele Investoren die den Stories der Techies glaubten dass der Schlüssel zum späteren finanziellen Erfolg von Website darin liege, dass die möglichst viele Benutzer möglichst lange auf der Website bleiben. Aber letztendlich haben die meisten Investoren ihr Geld in der DotCom Blase verloren.

Das hatte zwei Gründe: ersten waren die Möglichkeiten, die Besucher "zu Geld zu machen", z.B. durch den Verkauf von Waren, sehr begrenzt. und dann war die Technologie um wirkliche "Stickyness" zu erzeugen war zwar längst von der Psychologie erfunden, Stichwort Skinnerbox, aber die Umsetzung in Websites war noch nicht gelungen. Die Investoren der traditionellen Unternehmen, wie Produktionsbetriebe, Medienunternehmen wie Musikbusiness und Filmbusiness, traditionelle Handelsketten haben sich von dieser Enttäuschung in Hinsicht auf Innovationen mehr oder weniger aus dem Internet vertreiben lassen, sie haben versucht, auf der Basis ihrer traditionallen Geschäftsmodelle (z.B. mit Verkäufen von Musik und Büchern) ihr bisheriges Geschäft, untersützt von mehr oder weniger informativen Websites weiter zu betreiben.

Die Zeitungen hatten nun auch alle ihre Web-Präsenz und versuchten, durch sog. Banner-Ads Geld von anderen Firmen einzunehmen indem sie für jedes Weiterleiten eines Besuchers auf die Website des Werbetreibenden einen kleinen Betrag bekamen (meist Pay-per-Click, d.h. die Zeitung bekommt Geld für die Weiterleitung, egal ob der Besucher dann dort kauft oder nicht).

Anfang der Nuller-Jahre begannen dann neue Businessleute, z.B. die Gründer von Google (und einige wenige andere) und entwickelten ein dramatisch neues Geschäftsmodells zur Finanzierung von Websites. Das neue Geschäftsmodell war, kostenlose Dienste wie Suchmaschinen anzubieten, aber die Daten der Nutzer zu sammeln und nun gezielte Werbung zu ermöglichen, zugeschnitten auf die Interessen jedes einzelnen Besuchers. Cookies waren zwar bereits 1994 erfunden worden, aber kamen jetzt zum gezielten Einsatz um Benutzer zu "tracken"). "Kostenlose Dienste" kam bei den Benutzern sehr gut an und die kostenlosen Suchmaschinen waren eine Revolution bei der Suche nach Informationen. "Google's mission is to organize the world's information and make it universally accessible and useful." Das Tracking wurde von den Besuchern in Kauf genommen.

Dann kamen neue Gründe und die setzten die Ideen der Psychologie konsequent um und erfanden Social Networks. In den Social Networks gelang es dann nach und nach, die "Stickyness" wirklich zu implementieren. Sie kreierten Websites die durch gezielt dosierte positive virtuelle Belohnungen ein Suchtpotential erzeugten, z.B. Facebook, Instagram, WhatsApp und ihre wenigen mächtigen Konkurrenten. Zum Suchtpotential kommt noch eine weitere Errungenschaft der Psychologie: die Möglichkeiten der unbewussten Manipulation von Menschen, z.B. durch ständigen Vergleich mit anderen Menschen (siehe Social Networks, Influencer, etc.). Studien zum Suchtpotential von Social Networks an anderer Stelle.

Der mindestens ebenso starke Trick besteht darin, dass kontroverse Inhalte die Menschen noch viel mehr aufregen als Positives. Darum findet sich so viel kontroverses im Internet und vor allen im Social Networks. Das beginnt mit relativen Harmlosigkeiten wie "OMG, schau welches Kleid sie anhat" bis hin zu Fake-News, Hasspostings und Aufrufen zu Gewalt. Und dabei ergibt sich diese Bevorzugen von Kontroversem ganz automatisch, ohne dass der Betreiber der Website entschieden hat, Hasspostings zu bevorzugen. Der Algorithmus optimiert die Inhalte die ein Besucher sieht einfach so, dass Inhalte die früher zu einer Interaktion, z.B. einer Weiterleitung geführt haben, immer öfter gezeigt werden. Dies führt ganz automatisch (ohne bewusste böse Absicht) zu der Welle von Fake-News und Hass. Über die Problematik von Fake-News für unsere Gesellschaft und z.B. Wahlen mehr an anderer Stelle.

Der nächste Trick der neuen "mächtigen im Internet" besteht darin, aus dem als vollkommen offen konzipierten System ein möglichst geschlossenes zu machen. Ziel ist, dass die Nutzer nirgendwo anders mehr hingehen. Sie öffnen morgens ihre Social Networking App und lesen dort was ihre Kontakte geschrieben haben, aber auch die Nachrichten aus der großen weiten Welt. Jeder der großen Player im Internet versucht, ein geschlossenes System zu erzeugen, in dem die Nutzer ihre freie Zeit verbringen. Dies sind nicht nur Apple und Google mit ihren Smartphone-Systemen, sondern z.B. auch Facebook, das versucht ein vollständiges System mit Nachrichten von Freunden, aber auch aus Zeitungen mit Chat-Funktionen so zu verbinden, dass der Rest des Internets für die Facebook-Nutzer eigentlich gar nicht mehr benötigt wird (selbst die Funktionalität von Verkaufsplatformen nutzen viele Facebook-Nutzer direkt in Facebook). Ergebnis ist, dass in einigen Ländern das Wort "internet" einfach nur ein Synonym für Facebook ist. Dies wird unterstützt durch sog. Zero-Rating Tarife - das sind Handytarife bei denen die Daten von gewissen Anbietern, z.B. Facebook, kostenlos übermittelt werden (Verletzung der Netzneutralität).

Ein weiterer Punkt bei dem sich die "Intelligenz" des Internets wieder zurück in wenige Zentren verschoben hat sind die Mega-Rechenzentren der Diensteanbieter wie Google, Amazon, Facebook, Microsoft und Apple. Diese Anbieter können auf Grund von hoher technologischer Konzentration, extremer Spezialisierung und wirklich guter Management-Sofware virtuelle Server in ihren Cloud-Umgebungen zu sehr günstigen Bedingungen anbieten. Auf meiner anderen Website sicherheitskultur.at untersuche ich, welche Auswirkungen in Bezug auf Privatsphäre und Autonomie dies verursachen kann. Dieses Cloud-computing ist das nächste Schlagwort, das die Re-Zentralisierung weiter vorantreibt.

Ein weiterer Aspekt der Begrenzung der Flexibilität der Endpunkte im Internet sind die Smartphones. Sie sind deutlich weniger flexibel als die guten alten PCs (das ist bewusst so von den Herstellern gewollt) und Mac-Desktops. Und die Smartphones sind Weltmeister im Daten sammeln. 2000 hätte sich kaum jemand vorstellen können, dass heute fast die gesamte Bevölkerung der Industrieländer mit einem Gerät in der Tasche herumläuft, das ständig die Aufenthaltsorte des Benutzers an eine lange Liste von zentralen Servern weitermeldet. Oder hätte man sich im 20.Jhdt. vorstellen können, dass es Bücher gibt, die alle ihre Leser (und ihren Lesefortschritt) an zentrale Stellen liefern (eBooks).

 

 

 

Die Auswirkungen der neuen Technologien auf die Gesellschaft

Im unteren Abschnitt zu Konzentration des Internets auf wenige große Konzerne gibt es mehr dazu, welche dramatischen Auswirkungen das neue Geschäftsmodell auf die Macht im Internet und in der realen Geldwirtschaft hat.

Das dominierende Geschäftsmodell des Internets ist mittlerweile das vermeintlich kostenlose Anbieten von Kommunikationsdiensten die mittels gezielter, auf genau 1 Person zugeschnittener Werbung finanziert werden. Nur vermeintlich kostenlos, weil die Nutzer mit ihren Daten "bezahlen". Die Nutzer verlieren dadurch die Kontrolle darüber, wer was über sie weiß. Dieses gefährliche Geschäft "persönliche Daten gegen kostenlose Dienste" dominiert mittlerweile den größten Teil des Internets und ist nicht so harmlos, wie das klingen könnte. Ein Beispiel: In 2005 war der Anteil der Werbeeinnahmen aus Desktops und mobilen Geräten noch 5%, 2015 bereits 30%. Dies bedroht natürlich die durch Werbung finanzierte Presse (deren Anteil entsprechend gesunken ist).

Die Gründer des Internets hatten geglaubt, wenn erst mal alle Menschen Zugriff auf alle Informationen haben (siehe Suchmaschinen) so wird die Demokratie überall ausbrechen. Im Gegenteil, Russland hat gelernt, das Internet als Waffe gegen die Demokratien einzusetzen indem möglichst viel Zwietracht in den Demokratien gesäht wird. Dafür müssen sie nicht mal unbedingt Fake-News einsetzen: auch durch korrekte, aber gezielt einseitig ausgewählte Informationen die genau auf die politischen Einstellen des Nutzer zugeschnitten sind können extreme Einstellungen erhärtet werden.

Und China wird die Internet-Technologien und ihre Kontrolle über die zentralen (chinesischen) Oligarchen im Web für ihr Social Credit System und damit für eine gezielte Lenkung aller Bürger nutzen. Die Tracking-Technologien und die Zentralisierung aller Aktivitäten aller Menschen auf wenige App--Anbieter bieten optimale Grundlagen.

Die Internet-Technologie, auf die meisten Menschen am wenigsten verzichten möchten, war in den ersten 20 Jahren des Internets ganz klar das (ziemlich weit offene) E-mail - ein Nutzer von hotmail kann einem Nutzer von gmail Texte und Dateien senden, das sollten Nutzer von Messaging-Diensten wie WhatsApp, Signal, Threema, Telegram, etc. mal versuchen. (An anderer Stelle mehr zur Sicherheit von Messaging-Diensten).

Aber selbst das wird ab ca. 2010 bei den jüngeren Nutzern immer mehr durch die geschlossenen Umgebungen der Social Networks abgelöst (zu denen auch die Messaging Apps wie WhatsApp gehören). Letztendlich führen diese Trends zu monopolartigen Großkonzernen, gegen die die Millionen von kleinen Anbietern von Information oder Waren nicht konkurieren können, oft sogar obwohl sie zu einem vergleichbar attraktiven Preis liefern könnten. Aber die Internet-Nutzer kommen gar nicht bei ihnen vorbei, weil sie in ihrer geschlossenen Apple- oder Google- oder Amazon- oder Facebook-Infrastruktur bereits alles finden was sie brauchen. Viele dieser Fragen behandele ich an anderer Stelle unter Wer gewinnt den Kampf ums Internet?

Vielleicht rächt sich hier, dass die Techie-Internetentwickler so erfolgreich darin waren, den Regierungen keine Kontrolle über das Internet zu geben. Jetzt rufen viele von uns nach Zerschlagung der übermächtigen Oligopole die jetzt entstanden sind (siehe Ranking der 10 größten AGs). Die Regierungen sind aber aus mindestens 3 Gründen recht machtlos: das Internet wurde bewusst möglichst frei von Regierungseinfluss gehalten (siehe oben ca. 1995), diese Konzerne arbeiten weltweit und können Regierungen gegeneinander ausspielen (siehe Steuertricks). Außerdem sind die Umsätze und die Macht so groß, dass die Politiker den Konzernen hinterherlaufen (siehe Wechsel von Google Managern in die US-Regierung und zurück, bzw. Investitionen von Google in Schulungseinrichtungen, Sponsoring von Smart City Initiativen, u.ä.)

Mit der immer stärken Dominanz des "Dienste gegen Daten"-Geschäftsmodell wurde die Entwicklung von immer gefinkelteren Trackingmethoden vorangetrieben. Auf diese Weise sind die gigantischen Sammlungen von persönlichen Daten mit unserem gesammten Verhalten entstanden. Dies betrifft nicht nur das Verhalten im Internet, unsere Smartphones senden auch unsere Bewegungen im realen Raum ständig an die Tracking-Firmen (z.B. Entwickler von Apps).

Diese Sammlungen haben dann auch die Begehrlichkeiten der Geheimdienste geweckt und diese haben ihre Überwachungstechnologien entwickelt um an diese Daten zu kommen. Das Ganze hat dramatische Auswirkungen auf die Privatsphäre, nicht nur wegen der staatlichen Datensammlung, sondern mindestens genauso stark wegen der privaten Datenbanken, der Verbleib, z.B. im Falle eines Konkurs, vollkommen offen ist (wo sind die vielen Daten aus Myspace.com eigentlich geblieben?).

Um diese gewaltigen Datenmengen die bei unserer ständigen Beobachtung entstehen auswerten zu können musste das gute alte Data Mining zu Big Data ausgebaut werden. Dadurch lassen sich in diesem Datenmengen Trends (oder vermeintliche Trends) erkennen.

In den gewaltigen Rechenzentren laufen undurchschaubare Algorithmen und versuchen, die Nutzer möglichst mundgerecht für die Kunden der Internetdienste aufzubereiten. Dies geht nicht ohne Beeinflussung ihres Verhaltens in Richtung auf Konsum. Mit den gleichen Techniken lassen sich aber noch bösere Manipulationen programmieren, z.B. das Beeinflussen von Wahlen.

 

 

 

Quelle: derstandard.at
Die teuersten Unternehmen 2017:
Platz 1 - 5 sind die US-Internetgiganten

Platz 8 der chinesische Internetgigant Alibaba. Über den schreibt 2018 der Standard: "Alibaba verkauft selbst keine Produkte sondern ist eine Vermittlungsplattform für den globalen Großhandel (eine automatische Übersetzungsfunktion soll die Sprachbarrieren abbauen) und verzeichnet damit um vielfaches höhere Gewinne als sein amerikanischer Konkurrent. Alibaba ist eine Mischung aus Amazon, eBay, Google und dem Bezahldienst Paypal. . . Ausgehend vom hauseigenen Zahlungsdienst Alipay vergibt Alibaba mittlerweile Kredite und sein Geldmarktfonds zählt heute zu den größten weltweit."

Und diese Firma Alibaba mit ihren Datenmengen ist einer der wichtigsten Datenlieferanten für das Social Credit System in China das ich auf meiner anderen Website beschreibe.

Update 2018: US-Digitalkonzerne sind wertvollste Unternehmen der Welt. Alibaba und Tencent sind immer noch unter den ersten 10, aber die ersten 6 sind jetzt die US IT-Konzerne.

 

Die Konzentration auf wenige große Konzerne

Die Macht im Internet konzentriert sich auf wenige große Firmen, hauptsächlich Anbieter von Social Media (in der einen oder anderen Form). Google bietet neben der Suchmaschine auch Karten und Routen, das meistgenutzte Smartphone-Betriebssystem, Email-Dienste, den populären Browser Chrome, Textverarbeitung mit Google Docs, intelligente Cloudspeicher der meine Fotos automatisch analysiert und beschlagwortet. Dazu mit Google Scholar noch eine große Sammlung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen und ist der größte Verkäufer von Online-Werbung in der Welt und mit Youtube die größte Video-Plattform.

Facebook, Microsoft und Apple sind nicht so weit abgeschlagen. Apple ist 2017 der teuerste Konzern, weiß aber über seine treuen Kunden fast alles. Facebook und Google machen durch das integrierte Nachrichtenangebot den etablierten Zeitungen das Leben schwer. Amazon bietet (derzeit) nur ein klein wenig Social Media (dazu gehören z.B. die Kommentare bei den Produkten), entwickelt sich aber zum Händler, der ALLES anbietet und liefert und mit Amazon Echo in den Wohnzimmern immer präsenter wird.

Und in China dominiert Alibaba und deckt allein die Funktionalitäten von mehreren US-Konkurrenten ab, siehe im Block links.

Diese großen Unternehmen werden nur schwer zu stoppen sein. In allen Bereichen von Social Media ist der Netzwerkeffekt ganz wichtig. Der besagt, dass der Nutzen eines solchen Netzwerks mit dem Quadrat der Teilnehmerzahl steigt (Metcalfesches Gesetz). Ein Nutzer geht dorthin, wo bereits seine Kontakte alle sind. Dies erschwert den Aufbau einer Konkurrenz-Plattform. Und wo es doch mal gelingt, so wird es aufgekauft. Z.B. das GPS-gestützte Navigationssystem für Smartphones Waze durch Google, Instagram und WhatsApp durch Facebook. Oder die Funktionalität wird einfach nachprogrammiert, z.B. baute Facebook einige Features von Snapchat ein oder auch von Twitter.

Noch ein kleines Beispiel aus 2018: Google will mit Online-Produktsuche von Amazon weglocken. Das zeigt, dass die Einzelhändler immer weniger eine Chance haben - Google stört sich an der Macht von Amazon und tut sich mit Walmart, Target, Home Depot und Costco zusammen. D.h. die Giganten teilen die Märkte unter sich auf.

Mehr zur Macht im Internet und Netzneutralität auf meiner anderen Website.

 


Philipp Schaumann, http://philipps-welt.info/


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