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Die Entwicklung des Internets

Letzte Aktualisierung: Juni 2019 - Autor: Philipp Schaumann

Das Internet begann als libertäre Technikerspielerei

Das Internet so wie wir es kennen wurde erfunden von eher libertären "Techies" mit Forschungsgeldern des US-Militärs in den 60igern. Dazu gibt es ausführliche Literatur, z.B. Where Wizards Stay Up Late: The Origins of the Internet. Genutzt wurde die Daten-Kommunikation zum Austausch zwischen Militärfoschunsstätten und Unis. Die Telecoms waren an einem Betrieb und Übernahme der Message Switching technologie nicht interessiert. Sie sahen weiterhin die Zukunft in Circuit-Switching. Sie waren damit zufrieden, den Unis und Militär traditionelle Telefonleitungen zu verkaufen (standleitungen). Bzw. für das Einwählen der Enduser per Modem die traditionellen Wählverbindungen.

Der nächste Schritt war dann 1989 mit der Entwicklung von HTML und damit des "Web Browsers" durch Tim Berners-Lee bei der CERN. Der Kern der Idee von HTML war die bequeme Möglichkeit, Daten die auf verschiedenen Rechnern miteinder zu verknüpfen, den sog. Hyperlink und die URL.

Link-Konventionen:
Fette Links öffnen ein fremde Seite in einem neuen Fenster
Blau hinterlegte Links bleiben auf meinen beiden Websites

Die Techies blieben bis ca. 1995 unter sich. Ihre Hauptsorge war, dass die Regierungen zu viel Einfluss und Kontrolle über ihr tolles Spielzeug bekommen könnten (Angst vor Zensur). Daher wurden alle Regulierungsgremien des Internets bewusst frei von Regierungseinfluss gehalten. Der Widerstand der Politik dagegen hielt sich in Grenzen, bis in die späten 90iger hatte niemand eine wirkliche Idee, was aus diesem "Spielzeug" eigentlich mal werden könnte. Ca. 1995 sahen viele Firmen das Internet als eine Erweiterung des Fernsehens, aber mit unendlich vielen Kanälen. "Wer wird diese Inhalte alle erzeugen?" war eine große Frage. Es wurde eine große Zukunft für die US-Filmstudios erwartet. Niemand konnte ahnen, dass im nächsten Jahrtausend die Nutzer des Internets einen großen Teil der Inhalte produzieren würden.

Hier jetzt 2 m.E. wichtige Beiträge aus den frühen 90iger Jahren: The Rise of the Stupid Network und World of Ends. Die Texte versuchen zu erklären, was die Hauptqualität des Internets gegenüber den bis dahin üblichen Kommunikationstechnologien (vor allem dem Telefon) ausmacht. Im Telefonnetz waren die Endgeräte sehr einfach, die ganze komplexe Technik liegt in den zentralen Funktionen und bei den Telefongesellschaften. Diese hatten die Kontrolle darüber, welche Endgeräte angeschlossen werden durften (zumeist mussten sie vom Netzbetreiber gemietet werden). Neue Funktionen, wie Fax, oder Modems erforderten neue Geräte. Das fanden die Telefongeselllschaften toll und deshalb waren sie nicht an der neue Packet-Switching Technologie interessiert. Dabei hätten die Techniker den Betrieb der Netze gern abgegeben.

Erste Warnungen bereits 1995: Resisting the Virtual Life

Heute lese ich, dass es bereits 1995 Visionäre gab, die die Gefahren des zukünftigen Internets (rückblickend betrachtet) bereits sehr klar gesehen haben (Resisting the Virtual Life).

. . . "a new machinery of domination", "ungovernable world", "discriminatory possibilities of data harvesting", "masculinist world of software engineers", "reduction of public space", "a cult of the boy engineer would come to pervade everyone’s life", "implications of the creation of huge amounts of personal data for corporate processing".

Das beschreibt recht klar die augenblickliche Misere des Internets.

Die große Neuerung des Internets lag darin, dass alle Intelligenz und Komplexität in den Endpunkten liegt und nicht, wie im Telefonnetz, im Netz selbst und bei den Netzbetreibern. Die Autoren der beiden obigen Texte erkären, dass das Internet dadurch seine wichtigste Funktion, nämlich Menschen miteinander kommunizieren zu lassen, ab besten und flexibelsten erfüllt. Das Internet wurde dann aber nicht zu der großen Emanzipationsmaschine der menschlichen Kommunikation und die Gründe dafür sollen hier erläutert werden.

Die Intelligenz und Komplexität in den Endpunkten wurde durch die Personal Computer (PC) implementiert. Wie jeder Computer kann auch bei ihnen durch geeignete Software eine beliebige Komplexität implementiert werden. Und die Idee der Techniker war, dass weil jeder Mensch ja das Programmieren erlernen kann, auf diese Weise jeder Mensch beliebige Dienste erfinden und implementieren kann. Wie so viele Ideen rund um das Internet hat auch das nicht geklappt. Die Mehrheit der Menschen ist nicht zum Programmierer geworden, die zu Beginn sehr einfache Entwicklung von web-fähiger Software wurde immer komplexer und dann kamen Endgeräte wie Smartphones, die zwar einfach zu nutzen sind, aber kaum noch eigene Programmierung erlauben. Das hat natürlich gute Gründe: z.B. der Versuch, die Sicherheit der Geräte gegen Infektionen durch eine geschlossene Umgebung zu erhöhen.

Anfang der 1990er Jahre wurde mit Netscape Navigator der erste offene Web-Browser entwickelt, ein riesiger Durchbruch für eine offene Kommunikation. Jetzt konnte jeder Computer-Betreiber mit Internetanschluss einen Webserver installieren und jeder Nutzer konnte mit Hilfe seines Einwahlmodems über einen beliebigen Telefonanschluss sich mit jedem dieser Webserver verbinden. Das World-Wide-Web (und das Kürzel WWW) war erstanden. Technische Grundlagen sind die Trennung zwischen der Datentransport-Technologien TCP/IP und UPD/IP von dem Format der Inhalte, jetzt verpackt in dem einheitlichen HTML-Format. D.h. jedes Endgerät mit einem Netscape Webbrowser konnte mit jedem Server kommunizieren, wenn diese TCP/IP und HTML unterstützte.

Ab ca. 1995 schossen die Nutzerzahlen deutlich in die Höhe. Da wurde z.B. am US-amerikanischen Unabhängigkeitstag der kostenlose Mailservice Hotmail gegründet und ich selbst legte meine erste Email-Adresse an (1997 kaufte Microsoft diesen Dienst auf und baute ihn dann später -recht mühsam- zu Windows-Technologien um).

Ideologisch erwarteten die meisten libertären Technikfans dass nun die große Demokratisierung und die große Meinungsfreiheit ausbrechen würde. Das Monopol der großen Firmen für die Verbreitung von Nachrichten war gebrochen, jeder konnte nun eine Website erzeugen (einige Provider für den Internetzugang boten eine kleine "Web-Präsenz" gleich mit an) und jeder könnte über eine solche Web-Präsenz seine Meinung verbreiten. Daraus hatten sich dann etwas später Blogging-Websites entwickelt (die heute durch die Social Networks weitgehend in den Hintergrund gerutscht sind).

Einer der wenigen über die Zeiten erhaltenen Träume einer Demokratisierung von Informationen und Wissen ist Wikipedia, gegründet 2001. Wikipedia wurde so erfolgreich, dass die bisherigen Anbieter von Enzyklopädien und Lexikas mehr oder weniger alle aus dem Markt verschwunden sind. Ansonsten hat sich herausgestellt, dass es eine kleine Website (wie diese hier) nicht ausreicht um wirklich meinungsbildend zu wirken. Dies, obwohl immer mal wieder einzelne Ereignisse wie der arabische Frühling durch die Kommunikationsmöglichkeiten offenbar verstärkt wurden.

Firmen begannen in der 2. Hälfte der 90iger Jahre ebenfalls, eine sog. "Web-Präsenz" zu installieren. Das waren zu Beginn rein informative Websites ohne Benutzer-Interaktion. In den späten 90igern wurde dann aber versucht, mit Websites auch Geld zu verdienen. Z.B. indem dort waren gekauft werden konnten, aber auch indem Websites sich bemühten möglichst viele Benutzer anzuziehen. Damals wurden die Besucher "Eyeballs" genannt, und das möglichst lange Verbleiben auf der Website war "Stickyness". Eine möglichst große Zahl von Eyeballs war eine gute Grundlage für eine gute Positionierung der Website beim Börsengang.

Einer der weniger Experten die bereits damals 1996 verhergesehen hatten, was mal aus dem Internet werden würde, war Nicholas Negroponte. In seinem damaligen Buch "being digital" sieht er ziemlich klar die Möglichkeiten, dass alle Nachrichten und Werbebotschaften gezielt jeweils auf 1 Person zugeschnitten werden könnten, unserer heutiger Zustand. Basis wäre eine intime Kentnis der täglichen Aktivitäten. Und damit sind wir beim modernen Internet.

 

 

 

Nostalgie im Internet: Google 1999

"Google ist eine reine Suchmaschine - kein Wetter, keine News Feeds, keine Links zu Sponsoren, keine Werbung, keine Ablenkung, . . . nichts als schnelle Suchergebnisse."

 

Das neue Geschäftsmodell "Dienste gegen Daten"

Ca. 2000 gab es dann viele Investoren die den Stories der Techies glaubten dass der Schlüssel zum späteren finanziellen Erfolg von Website darin liege, dass die möglichst viele Benutzer möglichst lange auf der Website bleiben. Aber letztendlich haben die meisten Investoren ihr Geld in der DotCom Blase verloren.

Das hatte zwei Gründe: ersten waren die Möglichkeiten, die Besucher "zu Geld zu machen", z.B. durch den Verkauf von Waren, sehr begrenzt. und dann war die Technologie um wirkliche "Stickyness" zu erzeugen war zwar längst von der Psychologie erfunden, Stichwort Skinnerbox, aber die Umsetzung in Websites war noch nicht gelungen. Die Investoren der traditionellen Unternehmen, wie Produktionsbetriebe, Medienunternehmen wie Musikbusiness und Filmbusiness, traditionelle Handelsketten haben sich von dieser Enttäuschung in Hinsicht auf Innovationen mehr oder weniger aus dem Internet vertreiben lassen, sie haben versucht, auf der Basis ihrer traditionallen Geschäftsmodelle (z.B. mit Verkäufen von Musik und Büchern) ihr bisheriges Geschäft, untersützt von mehr oder weniger informativen Websites weiter zu betreiben.

Die Zeitungen hatten nun auch alle ihre Web-Präsenz und versuchten, durch sog. Banner-Ads Geld von anderen Firmen einzunehmen indem sie für jedes Weiterleiten eines Besuchers auf die Website des Werbetreibenden einen kleinen Betrag bekamen (meist Pay-per-Click, d.h. die Zeitung bekommt Geld für die Weiterleitung, egal ob der Besucher dann dort kauft oder nicht).

Anfang der Nuller-Jahre begannen dann neue Businessleute, z.B. die Gründer von Google (und einige wenige andere) und entwickelten ein dramatisch neues Geschäftsmodells zur Finanzierung von Websites. Das neue Geschäftsmodell waren kostenlose Dienste wie Suchmaschinen, und als Gegenleistung die Daten des Nutzerverhaltens zu speichern, auszuwerten und dann gezielte Werbung zu schalten, zugeschnitten auf die Interessen jedes einzelnen Besuchers.

Im Artikel The Internet's Original Sin aus 2014 beschreibt ein damaliger Insider, wie nach vielen Experimenten dies als einfachstes Geschäftsmodell zum dominanten Geschäftsmodell wurde und damit die Überwachung der Menschen das dominierende Geschäftsmodell. Sehr empfehlenswert ist die sehr pointierte und unterhaltsame Präsentation von Maciej Ceglowski The Internet With A Human Face.

Cookies waren zwar bereits 1994 erfunden worden, aber kamen jetzt zum gezielten Einsatz um Benutzer zu "tracken"). "Kostenlose Dienste" kam bei den Benutzern sehr gut an und die kostenlosen Suchmaschinen waren eine Revolution bei der Suche nach Informationen. "Google's mission is to organize the world's information and make it universally accessible and useful." Das Tracking wurde von den Besuchern in Kauf genommen.

Dann kamen neue Gründe und die setzten die Ideen der Psychologie konsequent um und erfanden Social Networks. In den Social Networks gelang es dann nach und nach, die "Stickyness" wirklich zu implementieren. Sie kreierten Websites die durch gezielt dosierte positive virtuelle Belohnungen ein Suchtpotential erzeugten, z.B. Facebook, Instagram, WhatsApp und ihre wenigen mächtigen Konkurrenten. Zum Suchtpotential kommt noch eine weitere Errungenschaft der Psychologie: die Möglichkeiten der unbewussten Manipulation von Menschen, z.B. durch ständigen Vergleich mit anderen Menschen (siehe Social Networks, Influencer, etc.). Studien zum Suchtpotential von Social Networks an anderer Stelle.

Der mindestens ebenso starke Trick besteht darin, dass kontroverse Inhalte die Menschen noch viel mehr aufregen als Positives. Darum findet sich so viel kontroverses im Internet und vor allen im Social Networks. Das beginnt mit relativen Harmlosigkeiten wie "OMG, schau welches Kleid sie anhat" bis hin zu Fake-News, Hasspostings und Aufrufen zu Gewalt. Und dabei ergibt sich diese Bevorzugen von Kontroversem ganz automatisch, ohne dass der Betreiber der Website entschieden hat, Hasspostings zu bevorzugen. Der Algorithmus optimiert die Inhalte die ein Besucher sieht einfach so, dass Inhalte die früher zu einer Interaktion, z.B. einer Weiterleitung geführt haben, immer öfter gezeigt werden. Dies führt ganz automatisch (ohne bewusste böse Absicht) zu der Welle von Fake-News und Hass. Über die Problematik von Fake-News für unsere Gesellschaft und z.B. Wahlen mehr an anderer Stelle.

Der nächste Trick der neuen "mächtigen im Internet" besteht darin, aus dem als vollkommen offen konzipierten System ein möglichst geschlossenes zu machen. Ziel ist, dass die Nutzer nirgendwo anders mehr hingehen. Sie öffnen morgens ihre Social Networking App und lesen dort was ihre Kontakte geschrieben haben, aber auch die Nachrichten aus der großen weiten Welt. Jeder der großen Player im Internet versucht, ein geschlossenes System zu erzeugen, in dem die Nutzer ihre freie Zeit verbringen. Dies sind nicht nur Apple und Google mit ihren Smartphone-Systemen, sondern z.B. auch Facebook, das versucht ein vollständiges System mit Nachrichten von Freunden, aber auch aus Zeitungen mit Chat-Funktionen so zu verbinden, dass der Rest des Internets für die Facebook-Nutzer eigentlich gar nicht mehr benötigt wird (selbst die Funktionalität von Verkaufsplatformen nutzen viele Facebook-Nutzer direkt in Facebook). Ergebnis ist, dass in einigen Ländern das Wort "internet" einfach nur ein Synonym für Facebook ist. Dies wird unterstützt durch sog. Zero-Rating Tarife - das sind Handytarife bei denen die Daten von gewissen Anbietern, z.B. Facebook, kostenlos übermittelt werden (Verletzung der Netzneutralität).

Ein weiterer Punkt bei dem sich die "Intelligenz" des Internets wieder zurück in wenige Zentren verschoben hat sind die Mega-Rechenzentren der Diensteanbieter wie Google, Amazon, Facebook, Microsoft und Apple. Diese Anbieter können auf Grund von hoher technologischer Konzentration, extremer Spezialisierung und wirklich guter Management-Sofware virtuelle Server in ihren Cloud-Umgebungen zu sehr günstigen Bedingungen anbieten. Auf meiner anderen Website sicherheitskultur.at untersuche ich, welche Auswirkungen in Bezug auf Privatsphäre und Autonomie dies verursachen kann. Dieses Cloud-computing ist das nächste Schlagwort, das die Re-Zentralisierung weiter vorantreibt.

Ein weiterer Aspekt der Begrenzung der Flexibilität der Endpunkte im Internet sind die Smartphones. Sie sind deutlich weniger flexibel als die guten alten PCs (das ist bewusst so von den Herstellern gewollt) und Mac-Desktops. Und die Smartphones sind Weltmeister im Daten sammeln. 2000 hätte sich kaum jemand vorstellen können, dass heute fast die gesamte Bevölkerung der Industrieländer mit einem Gerät in der Tasche herumläuft, das ständig die Aufenthaltsorte des Benutzers an eine lange Liste von zentralen Servern weitermeldet. Oder hätte man sich im 20.Jhdt. vorstellen können, dass es Bücher gibt, die alle ihre Leser (und ihren Lesefortschritt) an zentrale Stellen liefern (eBooks).

 

 

Nostalgie im Internet: Google 1999

"Google ist eine reine Suchmaschine - kein Wetter, keine News Feeds, keine Links zu Sponsoren, keine Werbung, keine Ablenkung, . . . nichts als schnelle Suchergebnisse."

 

Wäre ein Internet ohne Überwachung denn kommerziell möglich?

Kurze Antwort: Aber ja doch !!

Die Visionäre des Internets wollten bis ca. 2000 ein egalitätes, emanzipatives Internet schaffen, bei dem die Kommunikationshoheit der Medienkonzerne gebrochen wird, weil jeder auch nur ein wenig technik-interessierte Mensch in der Lage ist, im WWW eine Präsenz zu erzeugen (eine Website, z.B. in den späten 90igern oft kostenlos gehostet damals vom jeweiligen Internet-Provider). D.h. jeder kann seine Meinung frei und offen verbreiten und wird genauso gut oder schlecht gefunden, wie die damals noch spärlichen Präsenzen der etablierten Medien.

Ein Relikt aus dieser Zeit der Planung eines egalitären Internets ist die Wikipedia, geegründet 2001. Jeder kann dort relativ einfach Änderungen in den Artikeln machen, auch heute noch. Das Ganze kostenlos zugänglich und finanziert nur über Spenden. Auch die Google als Suchmaschine hat 1996 ganz klein und ohne große Datensammelei und ohne Werbung angefangen, erst 2002 kam dort der Schritt zur Verwendung der historischen Suchanfragen jedes Nutzers für personalisierte Werbung.

Bis ca. 2000 wurden die Internet-Angebote hauptsächlich über die Portale der Internet-Provider finanziert, z.B. Yahoo. Dort gab es alles: eine Suchmaschine, die Möglichkeit eine Website zu hosten, Wetter, News-Feeds und Blogs um die eigene Meinung zu verbreiten und zu diskutieren. Dazu damals noch die legendären Bulletin-Boards (BBS), deren erste Anfänge bereits vor dem WWW mit Webseiten und Web-Browsern auf Text-Basis existierten. Bezahlt wurde das alles hauptsächlich durch Gebühren

Personalisierte Werbung - was ist denn das Problem?

An anderer Stelle schreibe ich darüber, warum die flächendeckende Datensammlung zum Zwecke personalisierter Angebote ein Problem darstellt.

Heute dominiert bei vielen die Idee, dass im Internet alles kostenlos sein soll. Google war da ganz an der vordersten Front als sie nach 8 Jahren des Betriebs ihrer Suchmaschine unter dem Druck der Investoren, doch endlich Geld zu verdienen, auf die geniale Idee kamen, das Wissen über die früheren Suchanfragen des jeweiligen Nutzers für gezielte Werbung zu verwenden und dadurch die Streuverluste für die Werbetreibenden zu minimieren. Die dafür notwendigen Cookies waren bereits 1994 erfunden worden, aber bis dahin kaum kommerziell eingesetzt worden.

Heute hört man oft, dass dieses kostenlose Internet finanziert durch ein allgegenwärtiges Tracking der Nutzer (heute auf vielen Geräten und sogar offline (z.B. im Haushalt durch Fernseher, Smart Home Devices, Assistenten in der Wohnung, etc.) unausweichlich gewesen wäre. "Das ist eben die neue Technik, die verarbeitet nun mal Daten und dabei fallen auch Daten über Personen an, und die werden eben ausgewertet - es hat keinen Sinn sich gegen den Fortschritt zu stellen. Dast ist nur Maschinenstürmerei."

Das stimmt aber überhaupt nicht. Z.B. haben die Wissenschaftler und Techniker, die ca. 2000 an Smart Home arbeiteten in ihren Veröffentlichen immer wieder betont, dass diese Geräte natürlich Angriffe auf die Privatsphäre darstellen können und dass die dabei anfallenden Daten natürlich NICHT die Wohnung verlassen dürfen. Heute findet genau das Gegenteil statt, alles was in der Wohnung passiert wird "in die Cloud" gesendet um dann für gezielte Beeinflussung der Nutzer ausgenutzt werden zu können.

Wie könnte ein Internet ohne Tracking, Überwachung und Datensammelei bei Internetkonzernen aussehen?

  • Alle Smart Home und Internet of Things (IoT)-Geräte behalten ihre Daten für sich, bzw. teilen sie nur mit anderen Geräten in des gleichen Besitzers. Dieser Mensch (bzw. seine Familie) hat die Hoheit und volle Kontrolle über die Daten, sie verlassen sein Umfeld nicht.
  • Social Networks, die Nachfolger der Bulletin Boards, könnten einfach die Menschen miteiander kommunizieren lassen, ohne Werbung, Ende-zu-Ende verschlüsselt (diese Technologie wurde bereits Ende der 70iger Jahre entwickelt). Finanziert würde das über Gebühren (die nicht sehr hoch sein müssen: 1 Euro pro Jahr pro Nutzer ergeben bei 300 Mio. Nutzern immerhin 300 Mio Euro, davon können schon einige Webserver betrieben werden) - Das Argument, dass alles kostenlos sein muss haben Netflix, Amazon Prime und Spotify ja längst widerlegt.
  • Es sind sogar noch radikalere Lösungen denkbar: z.B. Speicherung der Inhalte die jemand in den Social Networks bereitstellt nicht bei einem zentralen Provider, sondern dezentral auf lokalen Servern die von lokalen öffentlichen Initiativen betrieben werden, z.B. Nachbarschaftsiniativen. Oder mit einer Speicherung der Inhalte die jemand im Netzwerk anbietet in vernetzten Haushaltsgeräten wie Kühlschränken - eine Lösung für alle, die unbedingt ein smart home haben wollen
  • Auch Navigationssysteme müssen keine Bewegungsdaten sammeln, auch Autos könnten ihre Kommunikation auf Notfälle wie Unfälle beschränken
  • Fahrzeuge oder Fitness-Tracker könnten weiter Daten sammeln, aber lediglich für Feedback an den Nutzer, z.B. damit sie mehr Bewegung macht oder vorsichtiger fährt.
  • Suchanfragen könnten einfach wie in den Anfängen die besten Ergebnisse liefern, von mir aus durchaus auf der Basis von früheren Anfragen, wenn jemand das so möchte, aber ohne Werbung und Datenverkauf an weitere Firmen
  • Auch Youtube könnte ohne Werbung sein, finanziert mit einige Euro pro Jahr Gebühren. Dann würde auch die geschäftliche Notwendigkeit entfallen, ständig weitere und reißerische andere Inhalte anzubieten - ein Film würde gezeigt und Schluss
  • Andere zentrale Dienste könnten von öffentlich-rechtlichen Institutionen betrieben werden, so wie derzeit noch das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Andere Infrastruktur-Projekte wie z.B. DNS-Services (bei denen viele sensible Daten anfallen) könnten im Aufrag der EU und innerhalb der EU-Grenzen betrieben werden, z.B. überwacht durch die ENISA

Das heißt, ein Internet auf einer anderen ökonomischen Basis wäre sehr wohl denkbar, Initiativen wie Netflix, Spotify und andere kommerzielle Angebote zeigen das ja.

 

 

 

Shoshana Zubof: The Age of Surveillance Capitalism - Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus

Die Autorin untersucht dann vor allem, was dies für unsere Gesellschaft bedeuten kann und wie wir dieses System(hoffentlich) wieder etwas einbremsen können. Hier eine Besprechung des Buches: Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus".

 

 

Werden unsere Daten verkauft oder wie läuft das eigentlich?
Die Regeln des Überwachungskapitalismus

Das Buch links ist DAS BUCH zu Überwachung und Tracking. Es ist eine umfassende Darstellung über die Entwicklung des Konzepts des Überwachungskapitalismus von 2000 bis jetzt. Die Autorin bringt die Erklärung, warum damit ein neues Kapitel in der Geschichte des Kapitalismus eröffnet wurde. Nicht mehr die Produktionsmittel, sondern die Daten und das Wissen über jeden Menschen sind die neue Grundlage des Mehrwerts für die Internet-Firmen.

Der Überwachungskapitalismus wurde 2002 von Google erfunden, beginnend mit der Auswertung unserer Suchanfragen. Aber dann setzte sich das Konzept der Wertschöpfung auf Grund von persönlichen Daten immer mehr als extrem erfolgreiches Geschäftsmodell durch und viele Firmen sprangen auf (an anderer Stelle zeige ich, dass die großen IT-Firmen jetzt die Großkonzerne dominieren). Und es werden immer mehr Firmen, nicht nur aus dem IT-Bereich. Auf diese Weise werden immer mehr Aspekte unserer Online-Aktivitäten dieser Verwertung zugeführt:

  • die Auswertung unserer Interaktionen mit unseren Kontakte in Social Networks (Facebook, Twitter Tictoc, Instagram, WhatsApp, Xing, LinkedIn, etc. - meine Betrachtungen zum Begriff "sozial" finden sich an anderer Stelle.)
  • die Liste unserer Kontakte in alle diesen Netzwerken und in den Smartphones. Daraus ergeben sich unsere Vernetzungen
  • ob wir irgewndwo in einem der Netzwerke auf Gefällt-mir geklickt haben und auf welche der Anzeigen wir auf den anderen Seiten geklickt haben
  • unsere weiteren sozialen Netze in Form unserer Email-Kontaktlisten
  • bei Emails: ob wir das Mail aufgemacht haben und falls ja, wieviel Zeit wir mit jedem Textblock verbracht habe und im Fall von gmail sogar der Inhalt unserer Emails
  • wonach wir gesucht haben (entweder bei einer allgemeinen Suchmaschine oder auch auf einer Zeitschriftenseite)
  • zu welchen Themen wir Kommentare abgegeben haben
  • unser Kaufverhalten im Internet, nach welchen Produkten wir gesucht haben und dann entweder gekauft oder nicht-gekauft haben. Dazu alle unsere Interaktionen auf Bewertungsplattformen wie Yelp, etc
  • unser Kaufverhalten im "realen" Laden wenn wir dort eine Kundenkarte einsetzen um an Rabatte zu kommen. Diese Treuekarten mit ihren zum Teil komplexen Regeln sind Teil des Gamifications (wieviel muss ich noch kaufen in diesem Monat in die nächste Rabattstufe zu kommen)
  • unser Leseverhalten auf allen (Medien-)Websites über die Myriaden von Trackern die dort eingebaut sind (alle Websites auf denen Werbung geschaltet ist)
  • aber auch beim Lesen von eBooks wird unser Verhalten aufgezeichnet und ausgewertet (Social Reading). Und natürlich wenn wir Online-Serien auf Netflix oder sonstwo schauen
  • mit wem ich per Telefon oder WhatsApp kommuniziere und wie oft und wie lange (und wer zumeist der Anrufende ist und wer nie abhebt wenn ich anrufe, etc. - die gesamte Beziehungsdynamik)
  • unser Such- und Reiseverhalten über Buchungsplattformen, inklusive den Plattformen der öffentlichen Verkehrsbetreiber
  • unser Fahrtstrecken im Auto über das Tracking in den Navis, die Autobahnmaut (in Ö durch Kennzeichenerkennung durch die ASFINAG) und section control für die Geschwindkeitsüberwachung
  • die neuen vernetzten Autos zeichnen aber viel mehr auf und versenden die Daten an Hersteller und andere. Dies betrifft nicht nur das konkrete Fahrverhalten (Heftigkeit beim Bremsen und Gas-geben, Querbeschleunigung in der Kurve), sondern über Innenraumkameras und -mikrophone oft auch die Aufmerksamkeit des Fahrers und was sonst noch im Fahrzeug passiert). Auch die Automobilfirmen wollen beim Überwachungskapitalismus mitnaschen
  • unser Unterhaltungsverhalten in Form von Social Reading (bei eBooks), Videoschauen auf Youtube, TicToc, Instagram, das Tracking und die Sprachsteuerung das die modernen Fernseher implementieren (für die Sprachsteuerung werden ALLE Gespräche in die Cloud übertragen)
  • die Schularbeiten der Kinder, die immer öfter auf kostenlosen Cloud-Plattformen wie Google-Docs bearbeitet und bewertet werden (statt auf staatlich angebotenen Plattformen)
  • die privaten Fotos die wir auf kostenlose (oder preisgünstige) Fotoclouds hochladen und die dann dort klassiziert, analysiert und geordnet werden. Dafür werden die Gesichter über Gesichtserkennung ausgewertet und Aufnahmeort und Aufnahmezeit zugeordnet
  • der größte Teil der Apps finanziert sich über Werbung und den Verkauf der gesammelten Daten auf die die App am Gerät zugreifen kann, vor allem die Standorte, aber auch Kontakte, bis hin zu Fotos. Dies betrifft auch (oder vor allem) so harmlos klingende Apps wie Wetter, Kochrezepte oder Taschenlampe
  • die große Menge unserer Zahlungsverkehrsdaten, speziell wenn wir sehr oft bargeldlos bezahlen. Diese Daten fallen typischerweise bei Banken und/oder Kreditkartenfirmen an, aber die PSD2-Richtlinie der EU gibt diese Daten mit Zustimmung des Betroffenen auch für Drittanbieter (z.B. Finanz-Start-ups - "Fintechs“ und sog. Third Party Provider (TPP)) frei. US- oder chinesische Internetfirmen können jetzt mit Zustimmung des einzelnen Kunden auch auf diese Daten zugreifen und ihre vielen bisherigen Daten durch Zahlungsdaten ergänzen
  • zu allen diesen Online-Daten kommen aber immer mehr offline Situationen: die Fitness-Tracker, Smart Watches und ähnliche Geräte zeichnen unsere Körperfunktionen in ALLEN Lebenslagen auf, auch wenn wir vielleicht glauben, off-line zu sein
  • alle Kameras und andere Sensoren in unseren Smart Homes, inklusive alle vernetzten Haushaltsgeräte (wie Herde, Kühlschränke, Kaffeemaschinen, Glühbirnen, Smart Locks, vernetzte Puppen, . . . . ), die viel über unser Verhalten in der Wohnung aussagen und in einigen Fällen (z.B. die Puppen) Gespräche ins Netz hochladen
  • mehr und mehr der Geräte im Haushalt enthalten Mikrofone, so die Smart Home Steuerung von NEST (Google), die digitalen Assistentinnen und alle Geräte mit Sprachsteuerung. Diese Mikrofone sind wichtig für die geplante Erkennung unserer Gefühlslagen, siehe das Patent von Amazon
  • die Robot-Staubsauger haben oft nicht nur Mikrophone, sondern auch Kameras, mit deren Hilfe sie auch noch eine Karte der Wohnung anlegen, die sie dann (mehr oder weniger gut geschützt) ins Internet übertragen
  • beim Spaziergang durch die Stadt: JEDER WLAN Access Point an dem wir vorbeigehen registriert unser Gerät, egal ob wir uns verbinden oder nicht. Das ist der Grund warum Google (durch seine Tochter Sidewalk Labs) kostenlose WLAN (und noch vieles mehr) in einige Städten anbietet. Mehr Details unter Smart City. Und egal was immer da behauptet wird: Bewegungsdaten sind NIE anonym.
  • beim Spaziergang durch die Stadt der nahen Zukunft: Brillen wie Google Glas oder Snapchat Spectacles werden das gesamte Leben der Träger und ihrer Umgebung aufzeichnen

Die drei Intensitvätsstufen der Datensammlung

Im Buch "Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus" werden 3 unterschiedlich tiefe Stufen des Data Minings, der Auswertung unserer persönlichen Daten unterchieden:

  • Die 1. Stufe war (und ist) das Sammeln und Bewerten von Fakten, von wirklichen Ereignissen.
    Dies begann mit der Auswertung der Suchanfragen bei Google 2002. In diese Kategorien gehören die Suchanfragen auf allen Websites auf denen Werbung geschaltet ist, unser Kaufverhalten bei Amazon, unsere Likes, unsere Shares und Texte der Postings. Dazu die Texte der Mails die wir an einen Empfänger bei Gmail geschrieben haben. Das sind wirkliche Ereignisse. Bei dieser Art von Datensammlung habe ich als Nutzer noch eine gewisse Kontrolle, ich kann entscheiden, ob ich im Netz ein Thema diskutiere oder auf eine Website gehe oder dort etwas anklicke.
  • Die 2. Stufe ist die automatische Erstellung von Persönlichkeitsanalysen.
    Dies geschieht auf Grund von Ereignissen (Kauf, Besuch einer Website, Like, Share, etc.) aber auch auf Grund von Meta-Daten wie Wortwahl, Wortlänge, Satzlänge, Interpunktion, etc. Diese Analyse ist unabhängig von den Inhalten und erlaubt daher kein einfaches Verstellen mehr. Die Strategie "ich schreibe nichts über Politik" greift nicht mehr, die mein Schreibstil bewertet wird. Mehr dazu unter dem Stichwort automatische Persönlichkeitsanalyse. So etwas wird von vielen Firmen angeboten.
  • Die 3. Stufe betrifft das augenblickliche Gefühl einer Person (sentiment detection).
    Dies wird seit spätestens 2016 aktiv genutzt - Facebook hat bereits 2016 erklärt, über 6 Mio solcher Analysen pro Sekunde durchzuführen. Es geht darum, die Persönlichkeit durch den augenblicklichen Gefühlszustand zu ergänzen: "sentiment analysis". Hierfür sollen in Zukunft vor allem Stimme und Gesichtsausdruck verwendet werden (der ja über die Selfie-Kamera leicht abzugreifen ist). Diese Art der Datensammlung führt zu höchster Transparenz jedes Individuums und ist kaum noch zu kontrollieren.

Ziel der ganzen massiven Datensammlung und Auswertung ist die Steuerung aller unser Lebensentscheidungen, primär derzeit in Bezug auf das Konsumverhalten, aber wie Brexit und die Trump-Wahl gezeigt haben auch des Wahlverhaltens (und Wahlverhalten geht bis zur Partnerwahl mittels gesteuerter Auswahl bei den Dating-Apps bis hin zu Tinder und Grinder).

Buchempfehlung "Zero"

Ich habe bei dem Krimi Zero - Sie wissen was du tust (Autor Marc Elsberg) mitgeholfen, der viele der hier in diesem Artikel behandelten Themen in Form eines Krimis noch einen Schritt weiter treibt. Das Buch wurde übrigens 2014 von Bild der Wissenschaft zum Wissensbuch des Jahres in der Kategorie Unterhaltung gekürt.

Das Buch untersucht, was passieren wird, wenn noch mehr Menschen noch mehr Daten mittels Apps ins Netz laden und sich dann von den Apps "helfen" lassen, natürlich nur zu ihrem Besten.

Die Geschichte zeigt deutlich, welche gigantischen Manipulationsmöglichkeiten so etwas bietet und wie es letztendlich in eine Zukunft führen kann, in der die Menschen von Algorithmen ganz subtil gelenkt werden und diese Algorithmen durch Menschen kontrolliert und manipuliert. Wenn jemand in der Lage ist, über Social Networks Wahlen zu manipulieren, so ist es nicht leicht, dieser Versuchung zu widerstehen. Demokratie wie wir sie kennen ist damit weitgehend erledigt.

Das Buch spielt in einer leider sehr nahen Zukunft. Auf der oben verlinkten Website gibt Hintergrundinformationen, ein Quiz und vieles mehr.

Ein winziger Lichtblick: Zum Glück fließen bei uns (derzeit) noch nicht alle diese Daten bei genau einem Unternehmen zusammen, in China ist die Konzentration so hoch, dass 2 Unternehmen sich alle diese Daten gemeinsam mit der Regierung teilen (In China gibt es nur wenige Menschen mit Smartphone, die nicht WeChat nutzen da damit alle digitalen Funktionen in einer App abgedeckt sind. Und auf diese Daten hat die Regierung freien Zugriff).

Die digitalen Assistentinnen wie Amazons Alexa, Apples Siri, Googles Assistant oder Microsofts Cortana gehen aber sehr wohl in die Richtung, dass jede der Firmen an ALLE unsere Daten will. So werden die Assistentinnen um so hilfreicher, je mehr man ihnen Zugang zu Diensten anderer Anbieter erlaubt. Diese Assistentinnen können um so hilfreicher sein, d.h. sie können uns um so intensiver steuern und lenken, je mehr unterschiedliche Dienste dort integriert sind. D.h. diese Dienste möchten den Zugang zu allen anderen Diensten erlangen (bzw. der Nutzer soll alle Dienste von nur dem 1 Anbieter nehmen).

Die Manipulierungstricks - so weren wir gelenkt

Hier jetzt einige Beispiele für Manipulierungstricks an die wir uns bereits weitgehend gewöhnt haben:

  • Direkte Kaufvorschläge bei Amazon (und anderen) oder Konsumvorschläge (Restaurants) z.B. vorgeschlagen von den digitalen Assistentinnen
  • Anstacheln von Wettbewerb zwischen "friends" oder Kontakte. Entweder über "friendly competitions" in Spielen, z.B. Pokémon Go "gamification"). Dieser Wettbewerb ist aber letztendlich ein ständiger Vergleich mit den anderen (Vergleich der Körper auf Instagram Fotos, Vergleich des aufregendenden Lebens das die anderen angeblich führen, Vergleich der tollen Sachen die die anderen kaufen, die tollen Urlaubsziele und Urlauserlebnisse). Dieses Vergleichen erzeugt Stress und Druck.
  • Social influence z.B. durch Vorbilder (influencer) oder das Aufzeigen von erwünschtem Verhalten von "friends" ("hat heute gewählt", "hat eben xxx gekauft", "hat eben eine Reise gebucht")
  • Positives Feedback wie Likes, Shares, Smiley-Rückmeldungen auf Whatsapp oder anderes Feedback (z.B. Retweet auf Twitter oder Snapstreak bei Snapchat oder Herzen in TikTok). Jedes (positive) Feedback erzeugt einen kleinen angenehmen Dopaminschub. Zu dem positiven Feedback gehören auch die Rabattpunkte/Treuepunkte bei den Kundenkarten oder Treuekarten oder virtuelle Belohnungen wie in Pokémon Go (das ist ein gutes Beispiel für "herding", bei der Konzeption und Entwicklung waren Ex-Google Mitarbeiter führend).
  • Ausnutzung von beobachteten Schwächen (z.B. Körperbildstörung oder Depression oder Unzufriedenheit die für einen Kaufimpuls genutzt werden kann)
  • Erzeugung von Suchtpotential durch gezielte Abfolge von Frust und Belohnung (Dopaminschub), zumeist genutzt in Computerspielen, aber auch in allen social networks (dort vor allem Likes, Reposts, neue Kontakte, friend-requests, Follower, etc.)
  • Erzeugung von Suchtpotential aber auch durch FOMO ("fear of missing out") ("etwas passiert und ich bin nicht dabei") oder die Drohnung mit Verlust der sozialen Kontakte. Dies wird verstärkt durch die Suche nach Bestätigung in der jugendlichen Unsicherheit und führt dazu, dass 1 Tag ohne Smartphone für viele Jugendliche extremer Stress ist.
  • Hervorrufen und Steigerung von starken Emotionen die zu "virtuellen Aktionen" und weiterem Verbleib auf der Seite führen (mit dem Ergebnis der möglichen Radikalisierung)
  • Steuerung entsteht auch über die Vorschläge bei Dating Plattformen (bewusst) oder in Zukunft durch gesteuertes Zusammentreffen z.B. durch gleichzeitige Pausen (ohne dass die Menschen sich dieser Steuerung bewusst werden)
  • Steuerung entsteht auch über die Filter Bubble, durch die automatisierte Auswahl der Nachrichten die jedem Internetnutzer gezeigt werden (sofern sie sich ihre Quellen nicht aktiv aussucht und bewusst, ansurft). Auch über gezielte Information (und die muss nicht mal "Fake" sein) können Menschen zu einem bestimmten Verhalten gelennkt werden, z.B. Wahl eines bestimmten Kandidaten oder eines Produktes über das sie ständig lesen.

Shoshana Zubof unterscheidet 3 unterschiedlich tiefe Techniken der Verhaltenssteuerung: 1. "Tuning", 2. "Herding" und 3. "conditioning". Der 3. Begriff verweist bereits auf den wissenschaftlichen Hintergrund der Techniken für Verhaltensmodifikation, nämlich die Forschungen von B.F. Skinner zu "operander Konditionierung". Nun zu den Details der 3 Stufen.

  1. "Tuning":
    Darunter versteht die Autorin, dass z.B. zu von den Algorithmen bestimmten Augenblicken bestimmte Inhalte (mehr oder weniger bewusst wahrgenommen) präsentiert werden. Dies passiert nach einer Analyse der Stärken und Schwächen einer Person und ihrer größten "Verwundbarkeiten" (siehe Klassifizierungen). Dazu gehören auch die sog. Nudges (von "anstupsen"), indem zum richtigen Zeitpunkt bestimmte Handlungsmöglichkeiten angeboten werden (und andere nicht angeboten werden - choice architecture).
  2. "Herding":
    Darunter versteht die Autorin direkte aktive Eingriffe in die Lebenswelt des Betroffenen (hauptsächlich im Bereich "vernetzte Geräte", d.h. zum Glück derzeit erst in Planung. Ein Beispiel wäre das "Still-Legen" eines vernetzten Fahrzeugs weil eine Rate nicht gezahlt wurde. Ähnliche Eingriffe wären das Sperren des Kühlschranks weil bereits genug konsumiert wurde, das Blockieren der Zündung bei einem alkoholisierten Fahrer, der Stuhl der ein Signal erzeugt, wenn jemand zu lange drauf sitzt und sich lieber ein wenig Bewegung gönnen sollte oder der Fernseher der sich abschaltet weil der Mensch morgen schon früh raus muss (erkennbar im Terminkalender).
  3. "Conditioning":
    Hier sieht die Autorin das eigentliche Endziel der Lenkung der Bürger, ganz im Sinne der operanden Konditionierung nach B. F. Skinner (sieh oben, auch "behavioral engineering"): Verstärken von Verhaltensweisen durch Feedback wie Lob, Anerkennung durch andere (siehe "Likes", "Shares" und andere Reaktionen der Mitmenschen oder der Computer) und Belohnungen (z.B. ein kleiner Rabatt weil ich das monatliche Einkaufsziel bei diesem Händler erreicht habe, Gamification). Am besten geht so etwas über Smartphone Apps, die ziemlich exakt "wissen", was ich gerade tue und mir gezieltes verstärkendes Feedback geben können.

Diese 3 Techniken der Verhaltensmodifikation werden auch ziemlich offen als Basis für das Geschäftsmodell der meisten Anbieter von Internet-Diensten formuliert. Denn erst durch die gezielte Steuerung können diese Anbieter "sicherstellen", dass genügend Kunden bei den Geschäftspartnern dieser Datensammler aufschlagen um den IT-Aufwand kommerziell zu rechtfertigen. Und das rechnet sich gut, wenn man sich das Ranking der größten Konzerne der Welt ansieht.

Die Studie Behavior Change Techniques Implemented in Electronic Lifestyle Activity Monitors: A Systematic Content Analysis ist nur ein Beispiel für die zahlreichen Forschungen zu "behavior change techniques". Und diese Techniken zur Verhaltenssteuerung sind leider unter ausschließlicher Kontrolle der Firmen (die ihre Ziel natürlich nicht veröffentlichen), nicht unter einer effektiven Kontrolle der Nutzer. Außerdem gilt zu berücksichtigen, dass alle diese Algorithmen ja keine wirklichen kausalen Zusammenhänge untersuchen, sondern reine Korrelationen. Selbst wenn die Steuerung zum Besten des Nutzers wäre, so würde das gewünschte Verhalten trotzdem nur bei der Mehrheit, aber nicht bei allen Nutzern eintreten.

Werden unsere Daten verkauft? - Die kurze Antwort

Meine kurze (etwas naive) Antwort war bis 2018:

NEIN, dafür sind die Daten viel zu wertvoll!

Bis dahin glaubte ich, die Daten und die Profile wären die Kronjuwelen und die verkauft man nicht. Die Online-Konzerne werden dafür bezahlt, dass sie Werbung an 37jährige Volkswirte mit Katzenallergie ausliefern, oder auch an anorektische Teenager, die sich wertlos fühlen oder Menschen, die Nazi-Sympathien haben.

Aber leider war meine naive Antwort zwar logisch, aber nicht 100% korrekt. Meine neue Antwort nach den Erkenntnissen in 2018 und Cambridge Analytica und anderen Skandalen:

Ab 2018: Aber ja doch, zumindest wird das Sammeln von Rohdaten wird zum Teil recht locker freigegeben.

Es gibt kaum Beschränkungen dafür, was App-Entwickler sammeln und verwerten dürfen, so lange sie irgendwo in den Nutzungsbestimmungen eine Freigabe durch den Nutzer versteckt haben.

Ich habe in 2018 auch gelernt, dass Facebook, Google und sogar Apple recht großzügig darin sind, den App-Entwicklern das Sammeln von Daten für mehr oder weniger beliebige Zwecke zu erlauben, inklusive Weiterverkauf an weitere Firmen, politische Beeinflussung und ähnliches, selbst die Daten der Kontakte der Nutzer können (mit Zustimmung der Nutzer, versteckt in den Geschäftsbedingungen) gesammelt werden.

Das betrifft sogar die sensiblen Gesundheits-Apps die zum Beispiel die Periode und/oder Schwangerschaft oder die weibliche Periode tracken (und sehr intime Daten sammeln). Mary Ebeling schreibt in Healthcare and Big Data wie sie nach der Nutzung einer solchen App sehr zeitnah mit baby-bezogener Werbung überschwemmt wurde, was jahrelang nicht aufhörte obwohl sie eine Fehlgeburt hatte. Der auf Grund ihrer Daten errechnete "Avatar" war eben schwanger und auf diesen Avatar reagierten die Firmen.

Aber wenn die Nutzer die Nutzungsbedingungen einfach wegklicken, dann ist das sogar in Europa legal. Das ist ja das Problem am europäischen Datenschutz: Mit Zustimmung des Nutzers geht fast alles.

Die Erklärung liegt wohl darin, dass der Mehrwert der aus den Daten gezogen werden kann, erst mal Hilfe von recht ausgeklügelten Algorithmen und AI-Systemen gewonnen werden kann - mehr Details dazu in dem Buch im rechten Block.

März 2019 werden endlich gerichtliche Untersuchungen gegen Facebook gestartet. Dabei kommt heraus, dass 150 Firmen (Amazon, Apple, Microsoft, Sony u.a.) einen Deal mit Facebook hatten. Dadurch durften die Firmen auch ohne Zustimmung der Betroffenen reichlich von den Daten naschen.

2016: Ein Artikel berichtet darüber, dass Facebook sogar noch zusätzliche Daten über ihre Nutzer zukauft um ein noch kompletteres Bild ihrer Nutzer zu bekommen: Werbe-Tracking: Facebooks Kooperation mit Datenhändlern in der Kritik. Die Kritiker sagen, dass dies aus den Nutzungsbedingungen nicht hervorgeht, dass Facebook nicht nur alles sammelt, was sie direkt von uns bekommen können. Ich vermute, die anderen Datensammler werden auch noch hinzukaufen, statt ihre Kronjuwelen an andere weiterzureichen.

 

Was können wir dagegen tun?

Das versuche ich an anderer Stelle zu diskutieren: Wäre ein Internet ohne Überwachung denn kommerziell möglich? und

Wie können wir das Internet aus dem Griff der Konzerne befreien?

Und jetzt eine Ergänzung nach der Lektüre der NY Times: Following the Breadcrumbs on the Data-Sharing Trail. Der Artikel behandelt nicht die Welt des Internets sondern die amerikanische Autorin des vorigen Artikel hat in den USA viele Zeitschriften abonniert und dabei ihre Adresse jeweils leicht modifziert. Auf diese Weise hat sie herausgefunden, wohin jeder der Zeitschriftenverlage ihre Adresse verkauft hat. Das heißt, dass die Situation außerhalb des Internets nicht viel bessser ist. Das wäre in dieser Form in Europa ohne die vorherige Zustimmung (noch) illegal und wäre klagbar.

An anderer Stelle mehr zum schwunghaften Handel mit persönlichen Daten auch beim Thema Verlust der Privatsphäre.

An wiederum einer anderen Stelle schreibe ich darüber, ob ein Internet ohne allgegenwärtige Datensammelei eigentlich kommerziell überhaupt denkbar wäre.

Noch eine Ergänzung, und zwar schon aus dem Jahr 2007: Compete CEO: ISPs Sell Clickstreams For $5 A Month. Der Artikel berichtet über eine Konferenz in 2007, auf der der Chef einer Marktingfirma erzählt, dass die sog. Clickstreams, d.h. alle Internetaktivitäten der Benutzer zum Spotpreis von 40 cent pro Benutzer zu haben sind. Und es gäbe 10 - 12 Abnehmer dieser Daten, d.h. die Internetservice-Provider in den USA nehmen ca. 5 $ pro Monat durch den Verkauf der Surfprotokolle ein.

2018 ist dies in den USA juristisch vollkommen legal: Surf-Daten und Standortdaten dürfen beliebig weiterverkauft werden.

 

 

 

 

Die Auswirkungen der neuen Technologien auf die Gesellschaft

Im unteren Abschnitt zu Konzentration des Internets auf wenige große Konzerne gibt es mehr dazu, welche dramatischen Auswirkungen das neue Geschäftsmodell auf die Macht im Internet und in der realen Geldwirtschaft hat.

Das dominierende Geschäftsmodell des Internets ist mittlerweile das vermeintlich kostenlose Anbieten von Kommunikationsdiensten die mittels gezielter, auf genau 1 Person zugeschnittener Werbung finanziert werden. Nur vermeintlich kostenlos, weil die Nutzer mit ihren Daten "bezahlen". Die Nutzer verlieren dadurch die Kontrolle darüber, wer was über sie weiß. Dieses gefährliche Geschäft "persönliche Daten gegen kostenlose Dienste" dominiert mittlerweile den größten Teil des Internets und ist nicht so harmlos, wie das klingen könnte. Ein Beispiel: In 2005 war der Anteil der Werbeeinnahmen aus Desktops und mobilen Geräten noch 5%, 2015 bereits 30%. Dies bedroht natürlich die durch Werbung finanzierte Presse (deren Anteil entsprechend gesunken ist).

Die Gründer des Internets hatten geglaubt, wenn erst mal alle Menschen Zugriff auf alle Informationen haben (siehe Suchmaschinen) so wird die Demokratie überall ausbrechen. Im Gegenteil, Russland hat gelernt, das Internet als Waffe gegen die Demokratien einzusetzen indem möglichst viel Zwietracht in den Demokratien gesäht wird. Dafür müssen sie nicht mal unbedingt Fake-News einsetzen: auch durch korrekte, aber gezielt einseitig ausgewählte Informationen die genau auf die politischen Einstellen des Nutzer zugeschnitten sind können extreme Einstellungen erhärtet werden.

Und China wird die Internet-Technologien und ihre Kontrolle über die zentralen (chinesischen) Oligarchen im Web für ihr Social Credit System und damit für eine gezielte Lenkung aller Bürger nutzen. Die Tracking-Technologien und die Zentralisierung aller Aktivitäten aller Menschen auf wenige App--Anbieter bieten optimale Grundlagen.

Die Internet-Technologie, auf die meisten Menschen am wenigsten verzichten möchten, war in den ersten 20 Jahren des Internets ganz klar das (ziemlich weit offene) E-mail - ein Nutzer von hotmail kann einem Nutzer von gmail Texte und Dateien senden, das sollten Nutzer von Messaging-Diensten wie WhatsApp, Signal, Threema, Telegram, etc. mal versuchen. (An anderer Stelle mehr zur Sicherheit von Messaging-Diensten).

Aber selbst das wird ab ca. 2010 bei den jüngeren Nutzern immer mehr durch die geschlossenen Umgebungen der Social Networks abgelöst (zu denen auch die Messaging Apps wie WhatsApp gehören). Letztendlich führen diese Trends zu monopolartigen Großkonzernen, gegen die die Millionen von kleinen Anbietern von Information oder Waren nicht konkurieren können, oft sogar obwohl sie zu einem vergleichbar attraktiven Preis liefern könnten. Aber die Internet-Nutzer kommen gar nicht bei ihnen vorbei, weil sie in ihrer geschlossenen Apple- oder Google- oder Amazon- oder Facebook-Infrastruktur bereits alles finden was sie brauchen. Viele dieser Fragen behandele ich an anderer Stelle unter Wer gewinnt den Kampf ums Internet?

Vielleicht rächt sich hier, dass die Techie-Internetentwickler so erfolgreich darin waren, den Regierungen keine Kontrolle über das Internet zu geben. Jetzt rufen viele von uns nach Zerschlagung der übermächtigen Oligopole die jetzt entstanden sind (siehe Ranking der 10 größten AGs). Die Regierungen sind aber aus mindestens 3 Gründen recht machtlos: das Internet wurde bewusst möglichst frei von Regierungseinfluss gehalten (siehe oben ca. 1995), diese Konzerne arbeiten weltweit und können Regierungen gegeneinander ausspielen (siehe Steuertricks). Außerdem sind die Umsätze und die Macht so groß, dass die Politiker den Konzernen hinterherlaufen (siehe Wechsel von Google Managern in die US-Regierung und zurück, bzw. Investitionen von Google in Schulungseinrichtungen, Sponsoring von Smart City Initiativen, u.ä.)

Mit der immer stärken Dominanz des "Dienste gegen Daten"-Geschäftsmodell wurde die Entwicklung von immer gefinkelteren Trackingmethoden vorangetrieben. Auf diese Weise sind die gigantischen Sammlungen von persönlichen Daten mit unserem gesammten Verhalten entstanden. Dies betrifft nicht nur das Verhalten im Internet, unsere Smartphones senden auch unsere Bewegungen im realen Raum ständig an die Tracking-Firmen (z.B. Entwickler von Apps).

Diese Sammlungen haben dann auch die Begehrlichkeiten der Geheimdienste geweckt und diese haben ihre Überwachungstechnologien entwickelt um an diese Daten zu kommen. Das Ganze hat dramatische Auswirkungen auf die Privatsphäre, nicht nur wegen der staatlichen Datensammlung, sondern mindestens genauso stark wegen der privaten Datenbanken, der Verbleib, z.B. im Falle eines Konkurs, vollkommen offen ist (wo sind die vielen Daten aus Myspace.com eigentlich geblieben?).

Um diese gewaltigen Datenmengen die bei unserer ständigen Beobachtung entstehen auswerten zu können musste das gute alte Data Mining zu Big Data ausgebaut werden. Dadurch lassen sich in diesem Datenmengen Trends (oder vermeintliche Trends) erkennen.

In den gewaltigen Rechenzentren laufen undurchschaubare Algorithmen und versuchen, die Nutzer möglichst mundgerecht für die Kunden der Internetdienste aufzubereiten. Dies geht nicht ohne Beeinflussung ihres Verhaltens in Richtung auf Konsum. Mit den gleichen Techniken lassen sich aber noch bösere Manipulationen programmieren, z.B. das Beeinflussen von Wahlen.

 

 

 

August 2018: Die Summe der Apple-Aktien ist größer als 1 Billion US$ (engl. Trillion), d.h. Tausend Milliarden. Dies ist mehr als die Summe der Autohersteller der Welt (hinter deren Wert ja viele Fabriken stehen). Das ist auch fast fünfmal so viel wert wie Siemens und SAP zusammen. Eine sehr schöne animierte Infographik der NYT zeigt, WIE groß (und damit mächtig) Apple, z.B. verglichen mit den großen US-Banken, mit den Welt-Autoherstellern und allen Flugzeugherstellern und Fluggesellschaften zusammen und mehr als alle US-Mediaunternehmen. Aber Amazon, Google und Microsoft liegen nicht weit zurück, zusammen auch 2,5 Billionen. (Die Liste der top 100 für 2018).

Die teuersten Unternehmen 2018: Platz 1 - 4 und 7 sind die US-Internetgiganten

Platz 6 und 9 die beiden chinesischen Internetgiganten Alibaba und Tencent. Über Alibaba schreibt 2018 der Standard: "Alibaba verkauft selbst keine Produkte sondern ist eine Vermittlungsplattform für den globalen Großhandel (eine automatische Übersetzungsfunktion soll die Sprachbarrieren abbauen) und verzeichnet damit um vielfaches höhere Gewinne als sein amerikanischer Konkurrent. Alibaba ist eine Mischung aus Amazon, eBay, Google und dem Bezahldienst Paypal. . . Ausgehend vom hauseigenen Zahlungsdienst Alipay vergibt Alibaba mittlerweile Kredite und sein Geldmarktfonds zählt heute zu den größten weltweit."

Und diese Firma Alibaba mit ihren Datenmengen ist einer der wichtigsten Datenlieferanten für das Social Credit System in China das ich auf meiner anderen Website beschreibe. Datensammeln und Analyse der Internet-Nutzer bleibt das dominierende Geschäftsmodell, "Überwachungskapitalismus" nennt es Bruce Schneier.

 

Die Konzentration auf wenige große Konzerne

Die Macht im Internet konzentriert sich auf wenige große Firmen, hauptsächlich Anbieter von Social Media (in der einen oder anderen Form). Google bietet neben der Suchmaschine auch Karten und Routen, das meistgenutzte Smartphone-Betriebssystem, Email-Dienste, den populären Browser Chrome, Textverarbeitung mit Google Docs, intelligente Cloudspeicher der meine Fotos automatisch analysiert und beschlagwortet. Dazu mit Google Scholar noch eine große Sammlung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen und ist der größte Verkäufer von Online-Werbung in der Welt und mit Youtube die größte Video-Plattform.

Facebook, Microsoft und Apple sind nicht so weit abgeschlagen. Apple ist 2017 der teuerste Konzern, weiß aber über seine treuen Kunden fast alles. Facebook und Google machen durch das integrierte Nachrichtenangebot den etablierten Zeitungen das Leben schwer. Amazon bietet (derzeit) nur ein klein wenig Social Media (dazu gehören z.B. die Kommentare bei den Produkten), entwickelt sich aber zum Händler, der ALLES anbietet und liefert und mit Amazon Echo in den Wohnzimmern immer präsenter wird.

Und in China dominiert Alibaba und deckt allein die Funktionalitäten von mehreren US-Konkurrenten ab, siehe im Block links.

Diese großen Unternehmen werden nur schwer zu stoppen sein. In allen Bereichen von Social Media ist der Netzwerkeffekt ganz wichtig. Der besagt, dass der Nutzen eines solchen Netzwerks mit dem Quadrat der Teilnehmerzahl steigt (Metcalfesches Gesetz). Ein Nutzer geht dorthin, wo bereits seine Kontakte alle sind. Dies erschwert den Aufbau einer Konkurrenz-Plattform. Und wo es doch mal gelingt, so wird es aufgekauft. Z.B. das GPS-gestützte Navigationssystem für Smartphones Waze durch Google, Instagram und WhatsApp durch Facebook. Oder die Funktionalität wird einfach nachprogrammiert, z.B. baute Facebook einige Features von Snapchat ein oder auch von Twitter.

Noch ein kleines Beispiel aus 2018: Google will mit Online-Produktsuche von Amazon weglocken. Das zeigt, dass die Einzelhändler immer weniger eine Chance haben - Google stört sich an der Macht von Amazon und tut sich mit Walmart, Target, Home Depot und Costco zusammen. D.h. die Giganten teilen die Märkte unter sich auf.

Mehr zur Macht im Internet und Netzneutralität auf meiner anderen Website.

 


Philipp Schaumann, http://philipps-welt.info/


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