Home      Webmaster      

 

 

Autonome Fahrzeuge und Effekte höherer Ordnung

 

Verwandte Themen an anderer Stelle meiner Website:

Aktuelle Entwicklungen bei Robotern, inkl. ethische Aspekte von autonomen Fahrzeugen, die 3 Roboter-Gesetze von Asimov

Das Problem der schwindenden (bezahlten) Arbeit durch Computer und Roboter

Turing Test und andere Aspekte von Artificial Intelligence

Short History of Computing, AI and Robotics

Auf meiner anderen Website (sicherheitskultur.at) ein Artikel zu Social Robots im Kinderzimmer: Barbie. Es geht um die neue Barbie-Puppe, die die Gespräche im Kinderzimmer in die Cloud überträgt und intelligent antwortet, Siri für kleine Kinder. Außerdem findet auf der sicherheitskultur das verwandte Thema Manipulation durch Algorithmen, inklusive künstliche Intelligenzen haben auch Vorurteile..

Autor: Philipp Schaumann - Work in prorgress, begonnen April 2017.

 

Wenn über autonome Fahrzeuge geschrieben wird, so werden dabei von den "Experten" sehr oft schnelle einfache Antworten angeboten, z.B. "autonome Fahrzeuge werden die Verkehrsbelastung auf unseren Straßen deutlich senken". Andere "Experten" kommen hingegen zu dem Schluss "autonome Fahrzeuge werden die Verkehrsbelastung auf unseren Straßen deutlich erhöhen". Was stimmt jetzt? Niemand weiß es derzeit.

Eines der Probleme die viele der "Experten" ignorieren (damit sie zu einfachen Antworten kommen, die oft auch noch ins politische Konzept passen) ist, dass wir es mit mindestens 5 nur sehr locker gekoppelten Fragestellunge zu tun haben. Dies sind

  • Teilweise oder vollständig autonome Fahrzeuge und ihre Auswirkungen auf die Mobilität der Menschen
  • Die Auswirkungen die solche Fahrzeuge auf den Anteil der Fahrzeuge haben, die in persönlichem Privatbesitz sind (Stichwort Car Sharing)
  • Die Kopplungen zwischen der Vernetzung von Fahrzeugen untereinander und mit der Straßeninfrastruktur
  • Damit verbunden ist in gewissem Maße die Vernetzung aller Fahrzeuge mit dem Internet, Stichworte wie Blackbox im Fahrzeug, das paneuropäische Unfallmeldesystem eCall und Begehrlichkeiten von Versicherungen und Autoherstellern in Richtung transparente Autofahrer und Bürger
  • Die Umstellung der Fahrzeuge auf Elektroantrieb und die damit verbundenen Änderungen an der Energieversorgungsinfrastruktur
Link-Konventionen:
Fette Links öffnen ein fremde Seite in einem neuen Fenster
Blau hinterlegte Links bleiben auf der sicherheitskultur.at

Diese 5 Faktoren eigentlich unabhängig voneinander. Sie können entweder alle gemeinsam auftreten oder einzeln oder aber in unterschiedlichen Konstellationen. Da es für jeden der Faktoren unabhängige Antriebsfedern gibt, ist es wahrscheinlich, dass sie sich erst mal parallel und mehr oder weniger unabhängig voneinander entwickeln. Sie werden aber natürlich trotzdem untereinander wechselwirken und jede von ihnen wird das Verkehrsverhalten der Menschen beeinfluss.

Für einige der Faktoren gibt es starken politischen Druck, z.B. bei der Umstellung auf Elektroantrieb. Andere Faktoren sind eher industrie-getrieben, so würde z.B. die Umstellung der Straßeninfrastruktur gigantische Investitionen erfordern, an denen die Industrie natürlich sehr interessiert ist. Auch das Verbinden aller Fahrzeuge mit dem Internet wird unabhängig von den anderen Faktoren ja schon einige Jahre weitergetrieben.

 

Sind autonome Fahrzeuge eigentlich "grüner"?

Ende 2016:
Es wird zwar oft behauptet, dass durch die auotonomen Fahrzeuge, wenn sie denn elektrisch angetrieben werden, der Autoverkehr ökologischer werden würde. Da spricht aber einiges dagegen. Hier nur einige problematische Punkte:

  • Weitere Zersiedlung des Umlands, weil das Pendeln nicht mehr als verlorene Zeit betrachtet wird
  • Es könnte mehr Individualverkehr geben weil mit autonomen Fahrzeugen auch Alte, Behinderte, Betrunkene, (Schul-)Kinder von öffentlichen Verkehrsmitteln oder Fahrrädern auf Individualverkehr umsteigen können
  • Carsharing mit autonomen Fahrzeugen/autonomen Taxis könnte zwar die Zahl der Autos reduzieren, aber der Individualverkehr wird durch autonome Taxis vermutlich preiswert genug um den öffentliche Massenverkehr weiter abzuwerten, durch die geringere Auslastung werden die Intervalle länger, die Fahrpreise höher und der öffentliche Vekehr unattraktiver
  • Fahrzeuge fahren dann evt. in der Innenstadt (wenn dort aus verkehrspolitischen Gründen die Parkplätze reduziert sind), einfach bis zur rückfahrt im Kreis herum - die Auslastung könnte noch schlechter werden
  • der Gesamtresourcenverbrauch erhöht sich gegenüber einem öffentlichen Massenverkehr (der sich jedoch verbilligen könnte wenn die öffentlichen Busse autonom unterwegs sind)

Im folgenden Abschnitt soll etwas mehr Ordnung in diese Fragestellungen gebracht werden.

 

 

Nach oben

 

Effekte zweiter Ordnung

Wie rudimentär unser derzeitiges Verständnis der sich ergebenden Entwicklungen ist zeigt sehr gut der Artikel Cars and second order consequences (eine deutsche Zusammenfassung findet sich auf heise Technology Review als Revolution nach der Elektroauto-Revolution).

. . . . . . . . . . . .

Ein weiteres wichtiges Dokument ist die englische Studie Social and behavioural questions associated with automated vehicles. Diese Studie gibt keine Antworten, sondern listet auf 91 Seiten die Fragen auf, die in diesem Zusammenhang geklärt werden sollten bevor wir weiter in diese Technologie hineinstolpern. Dabei werden vor allem die Themen Autonomie und Vernetzung behandelt. Eine Literaturliste von 124 Seiten steht zusätzlich zur Verfügung.

 

 

Nach oben

 

Vernetzung und IT-Sicherheit

Oft wird die Vernetzung der Fahrzeuge untereinander und mit der Straßeninfrastruktur, z.B. mit Ampeln implizit bei der Diskussion der autonomen Fahrzeuge vorausgesetzt. Der Umbau auch nur der städtischen Infrastruktur wäre eine gigantische Investition und daher ist die Industrie natürlich hoch-interessiert an diesem Thema. Und natürlich würden sich sehr starke Synergieeffekte mit den autonomen Fahrzeugen ergeben, denn wenn die Ampeln z.B. drahtlos melden, dass sie in 10 Sekunden auf rot schalten werden, so hilft das bei der Steuerung der autonomen (oder teil-autonomen) Fahrzeuge natürlich sehr. Auch wenn jedes Fahrzeug ein Bremsmanöver oder einen Spurwechsel allen anderen Verkehrsteilnehmern signalisieren würde, so wäre das sicher hilfreich und würde die Zahl der Unfälle senken.

Ein vollkommen ungelöstes Problem das derzeit auch nicht intensiv diskuktiert wird ist dabei die IT-Sicherheit der Vernetzung. Viele Theoretiker gehen von der Annahme aus, dass es in diesem Netz keine "bösen" Teilnehmer gibt. Jedes Auto kann jedem anderen Fahrzeug vertrauen und die Ampeln lügen sowieso nicht. Diese Annahme ist jeder extrem blauäugig. Auf meiner anderen Website zeige ich an Hand von vielen Beispielen, wie leicht es (zumindestens derzeit) ist, Fahrzeuge und Verkehrsintrastruktur zum eigenen Vorteil oder zum Nachteil anderer zu übernehmen. Eine selbstgebastelte grüne Welle die mit dem eigenen Fahrzeug mitläuft, das wäre doch recht praktisch (und würde für Einsatzfahrzeuge bestimmt als erstes implementiert).

Rein theoretisch ist das Problem des "Trusts zwischen IT-Komponenten" seit vielen Jahrzehnten gelöst, nämlich durch digitale Zertifikate. In der Praxis ist dies jedoch ein weitgehend ungelöstes Problem, wie ständige Konflikte um die Zertifikate von Websites immer wieder aufzeigen. Die derzeitige Implementierung von Software (Firmware) in modernen Fahrzeugen basiert darauf, dass in den meisten Fällen sogar der Halter in der Lage ist, Änderungen (Patches) in sein Fahrzeug einzuspielen. Oft werden diese Änderungen auf öffentlichen Websites angeboten, können per USB-Stick in das Fahrzeug gebracht werden und Aktualisieren dann die Fahrzeug-Software. Tesla bringt durch Software-Aktualisierungen sogar neues Verhalten in die Fahrzeuge. Und derzeit hindert niemand den Besitzer daran, "Verbesserungen" an der Firmware durchzuführen. So rechne ich damit, dass in dem Augenblick wo Fahrzeuge beginnen, ganz konsequent auf die Einhaltung der Verkehrsregeln zu drängen (z.B. der Geschwindigkeitsbeschränkungen), ein neuer Markt für Auto-Tuner entstehen wird, die solche Beschränkungen wieder ausbauen - mehr dazu weiter unten.

Dass dies möglich ist, haben Bastler bereits 2016 gezeigt: hier z.B. das Hacken von Traktoren von John Deere damit der Landwirt das Fahrzeug selbst reparieren kann und nicht auf den Techniker warten muss.

Wenn die Software in Fahrzeugen und Ampeln so leicht manipuliert werden kann, wieso sollen in Zukunft die Fahrzeuge den Signalen die sie auf der Straße empfangen vertrauen dürfen? Und wenn wir das Problem der Website-Authentifizierung in den Jahrzehnten sein 1995 nicht gelöst haben, warum glauben wir, dass dies im Straßenverkehr, bei dem es um den Verlust von Leib und Leben geht, einfacher sein. Die Möglichkeit von Mord über das Hacken von Fahrzeugen wird schon lange geschrieben.

 

Die neuen Auto-Tuner

Jan. 2016:
Es gibt immer mehr Veröffentlichungen zum Thema autonome Fahrzeuge. Der Science Fiction Autor Cory Doctorow bringt eine zusätzliche Komplikation in die Diskussion: Who controls the code? Wenn wir denn mal so weit sind, dass die Computer in den Fahrzeugen sicher entscheiden können, wer im Notfall geopfert wird, wie verhindern wir, dass ein neuer Zweig von "Tunern" die Software leicht verändert, z.B. diesen Algorithmus anpasst so dass dem Fahrer am wenigsten passieren kann und noch viel gefährlicher, den Teil des Codes deaktiviert, der ein Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit verhindert. Für diese Modifikation sehe ich einen ausreichenden Markt, denn das strikte Einhalten der Verkehrsregeln könnte für viele potentielle Käufer ein Grund sein, so ein Fahrzeug nicht zu kaufen.

Tesla hat Ende 2016 für eine kleine Aufregung unter ihren Kunden gesorgt: der Autopilot wird sich in Zukunft an Geschwindigkeitbegrenzungen halten. Das finden nicht alle Kunden gut.

Dass es fast unmöglich ist, Code-Modifikationen zu verhindern, zeigt das Desaster rund um Digital Rights Management, d.h. das Verhindern von Raubkopien. Es klappt einfach nicht. Denn der Code muss natürlich durch autorisierte Stellen modifizierbar sein, sonst könnten ja keine Sicherheits-Patches installiert werden. (Das geht bei modernen Autos (2015) sehr oft, indem der Besitzer sich von der Website des Herstellers ein Programm auf einen USB-Stick spielen muss und den dann im Fahrzeug reinstecken. Dann modifiziert sich der Bordcomputer. Viel komplizierter wird das Abschalten der Verkehrsregeln in Zukunft auch nicht sein.

 




Philipp Schaumann, http://philipps-welt.info/

Philipps-Welt

Copyright-Hinweis:
Das Copyright des Materials auf diesen Webseiten liegt, falls kein anderer Autor genannt wird, bei Philipp Schaumann. Creative Commons License
Diese Texte sind lizensiert unter der Create Commons Attribution-Noncommercial-Share Alike 2.0 Austria Lizenz. Natürlich gelten auch die Regeln des Fair Use und über Ausnahmen bzgl. der Lizenz kann jederzeit mit den Autoren gesprochen werden.